Meine Eltern waren schlecht

Je älter ich werde, umso mehr komme ich zu der Ansicht, daß mir meine Eltern das Leben versaut haben. Es gibt soviel negatives zu erzählen, man könnte einen Roman schreiben. Mein Vater war Alkoholiker und hat mich auch geschlagen. Er hatte viel aggressives Potenzial und war dabei noch gewöhnlich und ordinär. Er machte gerne ordinäre Witze über Sex, wohl weil er bei meiner prüden Mutter nicht das bekam, was er wollte. Außerdem fraß er bei Tisch wie ein Schwein. Seine erste Frau und seine Söhne aus dieser Ehe haßten ihn, er hat auch nichts dazu getan, daß ich meine Geschwister aus dieser Ehe kennen lerne. Meine Mutter hat mich mit ihrer LIebe völlig erstickt und unselbständig gemacht! Ich wurde ständig kontrolliert. Gymnasium war nicht nötig, Hauptschule reicht für meine Tochter, sie heiratet ja doch ..... Als ich dann heiraten wollte, habe ich es aufgeschoben, weil meine Mutter ein Riesentheater machte, weil ich meinen Vater nicht als Trauzeugen wollte (Mutters Kommentar: wenn Papa das nicht machen soll, dann brauchen wir ja garnicht zu kommen). So habe ich meinen Freund eben nicht geheiratet. Hinzu kam, daß mein Vater Nazi war und ich viele ausländische Kollegen hatte, da hatten wir Angst vor der Konfrontation Wenn die beiden mich mal in meiner Wohnung besuchten, hatte ich für Vater Alkohol da zu haben, hat meine Mutter bestimmt( Co-Abhängigkeit!) und ich doofe Kuh hab das auch noch gemacht aus völlig falscher Rücksichtnahme! Waren sie mal bei meinem Freund und mir am Campingplatz wurde über alles mögliche Gemeckert (Warum sind die Eltern von Deinem Freund heute nicht da, der Kuchen ist nicht gut, was tut man hier eigentlich den ganzen Tag usw.). Könnte noch ganz viel erzählen, aber ich wollte mal einen Teil loswerden. Entschuldigugn für den Roman, mich würden Leidensgenossen interessieren. LG Santiano

Antworten (6)
@Leila

Liebe Leila, mit Deinen Gefühlen scheinst Du mir direkt aus der Seele zu sprechen! Ein gutes Gefühl, mit seinen Empfindungen nicht allein zu sein! Gerade im Moment beschäftige ich mich besonders mit der Erinnerung an meinen Vater, nähert sich doch der Zeitpunkt, an dem sein Grab aufgelöst werden wird! Wenn die Benachrichtigung kommt, werde ich die Rechnung bezahlen und die Sache hat sich, zumindest was die Vorstellung betrifft, daß ich noch irgendwie zu ihm gehen könnte! Das ist zumindest eine kleine Befreiung. Ich habe an Anfang mal nach dem Grab gesucht, hab es aber nicht mehr gefunden! Das war wohl eine Fügung des Schicksals, jedenfalls deute ich es mal so. LG Santiano

@Santiano

Der letzte teil deines beitrags könnte von mir sein.
meine mama sagte mir auch das sie angst hatte ihn zu verlassen weil er ihr jedes selbstwertgefühl genommen hat. ich habe auch bis heute albträume von ihm, bin nebenbei bemerkt 40. meine (türkische) freundin sagte mir auch das ich keine ruhe finden werde bevor ich ihm nicht verzeihe - aber das kann ich nicht - obwohl es sicher der einzige weg ist mit diesen lebenskapitel abzuschließen. zu der von dir genannten wut und enttäuschung kommen bei mit trauer, verachtung und sogar haß !
mein eigener verstand sagt mir das ich ihm dadurch macht über mich gebe, aber in diesem fall sind wohl die gefühle stärker als der verstand.

@Leila

Ich bin mittlerweile 55 Jahre alt, und meine Mutter ist auch bereits seit über 10 Jahren tot. Was mich im nachhinein immer wieder ins Grübeln bringt ist, daß meine Mutter, obwohl sie auch gelitten haben muß, meinen Vater in gewisser Weise immer in Schutz genommen hat! Selbst als der tot war, konnte sie nicht verstehen, daß ich das Grab nicht besuchen wollte, das sie gehegt und gepflegt hat! Als meine Mutter dann schließlich auch gestorben war, habe ich erst nach und nach aufgehört, sie zu bedauern, weil mir immmer mehr bewußt wurde, daß sie im Grunde auch nicht richtig zu mir gehalten hat. Vermutlich hatte sie Angst, meinen Vater zu verlassen, weil er trotz allem der Versorger der Familie gewesen ist. Ich habe noch heute ab und an böse Albträume von meine Eltern, hauptsächlch von meinem Vater. Ich bin aber unfähig, ihm zu vergeben, ich weiß auch nicht, wie ich das machen sollte! Ein Bekannter, der sich auch mit dieser Thematik beschäftigt meinte, solange ich nicht vergeben kann, werde ich niemals richtige Ruhe finden. Aber ich bin einfach zu wütend und enttäuscht, daß ein Mensch so sein kann und auch sich auch noch einbildet, er hätte das Recht, sich so zu verhalten!

@Santiano

Da könnten wir wohl beide einen (traurigen) roman schreiben, aber ich will keine alten wunden wieder aufreißen - das würde mir zu weh tun.
darf ich dich fragen wie alt du bist, und wie du jetzt deine vergangenheit bearbeitest ?
ich habe schon seit jahren keinen kontakt mehr zu meinem erzeuger, denke das ist in seinem interesse, ich weiß nicht was ich sonst mit ihm tun würde.
nachdem ich von zu hause ausgezogen bin hat es mir sehr gut getan ein neues leben anzufangen und die vergangenheit hinter mir zu lassen. ich wollte bewußt nicht mehr immer nett und bescheiden sein. dabei haben mir bücher geholfen von Dale Carnegie und Louise Hay.
jetzt / heute tut mir der gedanke gut das meine mama endlich eingesehen hat das sie viel zu lange beim ihm geblieben ist.

@Leila

Hallo Leila, wenn ich Deine Antwort lese, erkenne ich manches wieder. Mein "Erzeuger" konnte auch mit Worten zuschlagen. Da kamen Sprüche wie: Sei froh, daß ich Dich mit durchfüttere, du Bolschewistenkind, oder auch: Ich schlag Dich gleich bis du blutig bist! Im nachhinein kommt einem das "Kot..." (sorry für den harten Ausdruck). Als der dann gestorben war, meinte meine Mutter auch noch, na ja, der schlechteste war er ja nicht, und wenn der dich auch mal geschlagen hat, es war ja kein Mißbrauch, und es war ja wohl auch nötig! Da hab ich geglaubt, ich spinne!

@Santiano

Ich glaube das ich dich gut verstehen kann, denn ich hätte mir auch bessere eltern gewünscht.
mein vater, besser wäre das wort erzeuger, war ein haustyrann, meine mama hatte nichts zu sagen, von mir ganz zu schweigen. er war nicht gewalttätig, aber er konnte mit worten sehr verletzend sein. sprüche wie "ihr seid nicht, und ihr werdet auch nie etwas werden, ohne MICH werdet ihr wasser saufen und unter der brücke schlafen." oder "du hast gar nichts zu sagen, du machst was ICH sage" waren nicht ungewöhnlich. ich könnte noch unzählige beispiele nennen.
als ich 18 war bin ich sofort ausgezogen, habe dann einiges aus trotz gemacht.
im vorigen jahr hat sich meine mama endlich von ihm getrennt, und ist dabei ein neues leben anzufangen. ich versuche sie dabei zu unterstützen, trotzdem - das sie mich als kind nicht richtig beschützt hat tut noch weh, obwohl sie selbst opfer war.
wenn ich immer höre: "die zeit heilt alle wunden" dann ergänze ich "... aber die narben bleiben."

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