Dating abbrechen?
Hallo,
ich würde gerne eure Einschätzung zu einer Situation hören, in der ich gerade ziemlich feststecke. Ich versuche, die Geschichte möglichst objektiv zu schildern, weil ich merke, dass ich emotional sehr involviert bin.
Ich (25) habe in der Vergangenheit leider schon Erfahrungen gemacht, bei denen ich jemanden sehr idealisiert habe und meine eigenen Bedürfnisse dabei etwas aus dem Blick verloren habe. Deshalb versuche ich diesmal besonders darauf zu achten, ob jemand nicht nur Gefühle in mir auslöst, sondern mir auch langfristig Sicherheit gibt.
Vor ungefähr einem Monat habe ich über eine Dating-App einen Mann (27) kennengelernt. Der erste Kontakt war für Dating-App-Verhältnisse intensiv. Täglich schrieb er mir ellenlange Nachrichten über sich und fragte auch mich viel aus. Ich hatte das Gefühl, dass er mich wirklich kennenlernen möchte. Zumal er irgenwann wissen wollte, woran er an mir war. Daraufhin schlug ich ein erstes Date vor, dessen komplette Planung ich alleine übernehmen musste.
Da war der Funke dann schnell übergesprungen. Bei Regen saßen wir im Cafe und haben stundenlang geredet, viel gelacht. Er meinte, da hätte sich sein 5-jähriges Dasein auf der App ja gelohnt, um mich zu treffen. Er würde heulen, wenn wir uns nicht wiedersehen würden. Es kam zu einem Kuss, der mich emotional sehr überwältigt hat. Ich musste weinen, worauf er sehr empathisch reagiert hat.
Direkt danach war er sehr zugewandt. Er schrieb mir, dass er die Begegnung als intensiv und schön empfunden hätte und dass ich ihm jederzeit schreiben könne, ohne Angst haben zu müssen, zu viel zu sein. Täglich Guten Morgen sowie Gute Nacht Nachrichten sowie der Wunsch, mich wiederzusehen, er würde so viel an mich denken. Aber immer wenn ich ihn fragte, worauf er Lust hätte und wann wir uns treffen wollen, blieb er vage, überließ alles mir.
Bei den folgenden, ebenfalls harmonischen Treffen musste ich erste Grenzen setzen. So meinte er, in einer Beziehung mit ihm dürfe ich keinen Kaffee oder Alkohol mehr trinken. Direkt stellte ich klar, dass ich das selbst entscheiden würde.
Er machte mir sehr viele Komplimente und nannte mich oft „Schönheit “, „Hottie" oder Ähnliches. Das war natürlich schmeichelhaft, wirkte allerdings auf Dauer sehr optik-bezogen.
Eine andere Sache war, dass er manchmal andere Frauen abwertete, um mich aufzuwerten. Ich habe ihm gesagt, dass er mir keine anderen Menschen schlechtreden müsse, um mir Komplimente zu machen.
Der größte Punkt war allerdings das Thema Verhütung. Mit der Begründung, sich "kontrollieren" zu können, wollte er ohne Kondom, ohne dass ich die Pille nahm, in mich eindringen. Ich kommunizierte, dass für mich keinen Sex ohne Kondom in Frage käme. Dies akzeptierte er und wir besorgten welche. Beim Sex selbst ging er sehr feinfühlig und liebevoll vor, umso mehr verwunderte mich, dass er das Risiko von Schwangerschaft sowie Geschlechtskrankheiten in Kauf genommen hätte. Zumal er erzählte, er würde immer so verkehren, weil Kondome unangenehm wären und hätte häufiger Sex Positivity-Parties im Kit Kat Club besucht. Auch wenn er mir erzählt hatte, er würde aktuell nur mich daten, war ich mit Hinblick auf Krankheiten sehr verunsichert.
Beim nächsten Mal hatte er wieder keine Kondome dabei, obwohl er wusste, dass das für mich eine Voraussetzung war. Hätte ich nicht vorsorglich welche mitgenommen und ihm eines gereicht, hätte er es abermals ohne versucht. Enttäuscht nahm er es entgegen mit den Worten, er wäre nunmal sehr selbstbewusst in dieser Sache.
Er beteuerte immer, wie gerne er mich sehen wolle, sagte Verabredungen allerdings wegen leichtem Unwetter kurzfristig ab und dies auch erst, wenn ich nachfragte, wann wir uns denn nun treffen wollten. Er verschob es auf den nächsten Tag, obwohl es viele Indoor-Alternativen gegeben hätte. Aber darum bemühte er sich null. Taten die nicht zu den Worten zuvor passten.
Stattdessen schrieb er mir am nächsten Morgen, sein Kopf wäre voll, er müsse nachdenke und sich ausruhen, würde sich später melden. 9h ließ er mich damit in der Luft hängen. Weder konnte ich etwas für uns planen, noch mir meinen eigenen Tag gestalten, abhängig davon, ob er überhaupt noch wollte oder nicht.
Dann schrieb er ganz locker, er wäre jetzt bereit, was ich tun wolle. Ich fragte ihn, ob er wirklich wolle umd er antwortete, er würde sich bereits die ganze Woche darauf freuen, mich zu sehen. Klang nicht mehr so überzeugend.
Nach diesem Treffen bat er mich darum, ihn noch möglichst viele Stationen mit der Bahn zu begleiten. Drinnen zog er mich an sich und gestand mir, wie gerne er mich hätte. Mitberqeiterten Pupillen. Einerseits toll, andererseits schwebte ich nicht auf Wolke sieben, denn das vorher hatte vieles geschmälert. Beim Abschied zitterte er.
Aber direkt danach, nun seit ungefähr einer Woche hat sich unsere Kommunikation verändert. Ich habe nicht erwartet, dass diese Intensität für immer bleibt. Mir ist klar, dass man sich nach der ersten Euphorie einpendelt.
Allerdings ging das nicht normal-fließend, sondern rapide. Die Nachrichten sind deutlich kürzer geworden und manchmal kommen Antworten, die wenig Zeit beanspruchen würden, erst viele Stunden später, teilweise nachts.
Hat er einfach die anfängliche Dating-Euphorie verloren? Ist das einfach seine normale Kommunikationsweise? Oder suche ich gerade nach Erklärungen, weil mein Bauchgefühl mir sagt, dass etwas nicht passt?
Mein Umfeld war am Anfang sehr begeistert, weil sie gesehen haben, wie glücklich ich war. Nachdem ich aber von den anderen Punkten erzählt habe, raten mir viele inzwischen, vorsichtig zu sein und eher einen Schlussstrich zu ziehen. Nicht, weil sie ihn für einen schlechten Menschen halten, sondern weil sie denken, dass wir vielleicht unterschiedliche Vorstellungen haben und er höchstwahrscheinlich mehrere Frauen datet. Das wäre sein gutes Recht, schließlich sind wir nicht exklusiv. Allerdings wäre es genauso mein Recht das zu wissen, um selbst zu entscheiden, ob ich bleibe pder gehe.
Ich selbst bin gerade hin- und hergerissen.
Ein Teil von mir denkt: „Sprich offen mit ihm. Vielleicht kann man Missverständnisse klären.“
Ein anderer Teil denkt: „Ich kenne diese Dynamik, dass etwas am Anfang wunderschön wirkt und man später merkt, dass wichtige Dinge nicht passen. Egal woe verliebt man sein mag."
Ich würde ihn nie ghosten. Gerade weil er mir erzählt hat, dass er schon einmal geghostet wurde. Wenn ich gehe, möchte ich ehrlich erklären, was mich verunsichert hat.
Gleichzeitig habe ich Angst, eine seltene Verbindung wegzuwerfen.
Was würdet ihr tun? Würdet ihr erst noch einmal ein offenes Gespräch suchen oder wären für euch bestimmte Punkte (vor allem das Thema Verhütung) schon eine klare Grenze?