Komplizierter geht's nicht!

Wenn mir jemand erzählt, dass seine Beziehung kompliziert ist, dann kann ich darüber nur müde lächeln. Dass was die meisten Kompliziert nennen, wäre für mich dann wohl eher ein netter Kindergeburtstag auf einer Hüpfburg.

Um aber mal anzufangen. Ich war in meinem Leben schon 3 Mal verheiratet, nicht weil das mein Hobby ist, sondern weil ich immer an die wahre Liebe geglaubt habe und die Ehe für mich eigentlich schon ein sehr große Bedeutung hat. Glück hatte ich damit aber nicht. Meine erste Frau, hat mich finanziell fast ruiniert, weil sie Kaufsüchtig war und ich in der Zeit sehr viel unterwegs war. Auch die Nähe zwischen uns war ihr nicht so wichtig. Daher konnte ich zum Schluss nicht mehr anders als die Beziehung und die Ehe damit zu beenden.
Mit meiner zweiten Frau lief es da schon wesentlich besser. Wir bekamen auch recht früh Nachwuchs und sind früh Eltern geworden. 3 Jahre später kam dann auch das zweite Kind. Und eigentlich war alles gut. Allerdings ging die Nähe bei uns immer mehr verloren. Gespräche haben nichts gebracht, da sie nicht wirklich reden konnte oder wollte. Das Ende vom Lied war, dass sie keine Gefühle mehr für mich hatte. Auch ein Versuch dass alles nochmal in Ordnung zu bringen, schlug fehl. Als ich dann irgendwann mal eine E-Mail zu Gesicht bekam in der sie einer Freundin gestand, "Wenn das Geld nicht wäre, wäre ich schon längst weg" führte dann dazu, dass ich das beendete. Heute weiß ich, dass sie mich schon seit einem halben Jahr betrogen hatte.
Die Letzte Ehe war eigentlich schon von Anfang an zum scheitern verurteilt. Aber diese Frau, die ich kennengelernt habe, war zur rechten Zeit am rechten Ort. Wir lernten uns kurz nach der Trennung von der Mutter meiner Kinder kennen. Sie unterstütze mich natürlich emotional und daraus entstanden dann auch Gefühle. Aber irgendwas war anders. Wir stritten recht häufig, wegen sinnlosen Kleinigkeiten, rauften uns aber immer wieder und recht schnell zusammen. Aber trotzdem, diese Art von Streitereien kannte ich nicht und schlugen mir schon echt aufs Gemüht. Da sie in ihrer Heimat Österreich alles für mich aufgegeben hat, fühlte ich mich natürlich auch irgendwie verantwortlich für sie, was noch viel extremer wurde, als ihr Vater dann starb. Also sind auch wir nochmal den Bund der Ehe eingegangen. Es wurde danach aber alles noch viel schlimmer. Sie entwickelte sich zu einer kleinen Schlampe. Nicht die Art, die mit jedem X beliebigen Typen in die Kiste gesprungen ist, sondern was das Verhalten zu Hause anging. Ich hatte zum Schluss das Gefühl ich müsse alles alleine machen, während sie nur noch vor dem Rechner saß. Als mein Sohn dann noch bei uns einzog, wurde das Ganze noch viel schlimmer und als sie dann anfing sich an meinem Sohn noch auszulassen, beschloss ich die Reißleine zu ziehen.

Nach dem ich dass jetzt alles mal niedergeschrieben habe, kommen wir jetzt dann mal zum wirklich komplizierten Teil.

In dieser Zeit.... Nein ich muss anders anfange. Vor diesen 3 Ehen, war ich mit meiner Jugendliebe zusammen. Ich habe sie damals kennengelernt als ich 12 Jahre alt war und sie war 11. Das ist inzwischen gut 31 Jahre her. Es war von Anfang an etwas besonderes zwischen uns. Aber wir waren beide noch sehr jung und ich in dem Alter noch sehr egoistisch. Von daher war es immer eine ON/OFF-Geschichte zwischen uns. Bis zum letzte Mal wo wir zusammen gekommen sind. Für mich stand damals mit 19 Jahren schon fest, dass ist die Frau mit der ich alt werden will, mit der ich Kinder haben will und die ich heiraten will. Sie machte damals Schluss mit mir, ohne mir eine vernünftige Begründung dafür zu liefern. Heute weiß ich, dass sie Angst davor hatte, dass ich sie nochmal verlassen würde und ich ihr damit das Herz brechen würde. Also beschloss sie dem vorzugreifen, allerdings auch ohne mit mir darüber zu reden, wie ich mir meinen Zukunft vorstelle. Nach dieser Trennung verloren wir uns aus den Augen und haben uns über 20 Jahre nicht mehr gesehen oder miteinander gesprochen.

Nun aber wieder zurück zu meiner letzte Frau. In der Zeit als ich beschloss die Reißleine zu ziehen, bekam ich wieder Kontakt zu meiner Jugendliebe. Wir schrieben über ein Portal miteinander, trafen uns, und beschlossen uns wieder öfters sehen zu wollen. Alte Gefühle kamen plötzlich wieder hoch und es fühlte sich auf einmal alles wieder so an, wie damals wenn wir uns nach einer Trennung wieder über den Weg gelaufen sind. Es war nie so, als würde man jemanden wieder treffen den man einfach kannte, es war immer eine Art Magie im Spiel. Wir trafen uns nun so häufig wie es nur ging und irgendwann konnte ich nicht mehr anders. Ich gestand ihr, dass meine Gefühle für sie nie weg waren und jetzt, da wir uns wiedergesehen haben alles wieder hochkommt und ich mich nicht dagegen wehren kann. Ihr ging es aber ganz genauso. Auch ihre Gefühle für mich waren nie weg. Das Problem war nur, jetzt war sie verheiratet und Mutter von ein 15 Monate alten Sohn. Das tat unseren Treffen aber keinen Abbruch getan. Und bei jedem Treffen kamen wir uns näher und näher. Bevor irgendwas passierte was nicht mehr Rückgängig zu machen war, zog ich zu Hause bei meiner Frau nun endgültig die Reißleine, meine Gefühle zu ihr waren eh schon durch die ganzen Streitereien schon mehr als nur kaputt, also war das nur die logische Konsequenz.
Auch wenn nun meine Jugendliebe einen 15 Monate alten Sohn hat und grade mal 1, 5 Jahre verheiratet war, konnten wir uns beide nicht gegen unsere Gefühle wehren. Es wurde immer enger zwischen uns und wir schmiedeten sogar schon Zukunftspläne. Ein Jahr nach unserem ersten wiedersehen zogen wir dann zusammen. Alles war super, wunderschön und ich erlebte Gefühle mit ihr, die ich nie erlebt habe und alles war perfekt. Bis auf eine Kleinigkeit, sie sorgte nie für 100%ige Klarheit. Zu Familienfeiern in Ihrer Familie fuhr sie immer alleine und umgemeldet hat sie sich auch nie. Das ging jetzt gut 18 Monate so. Obwohl ich sie immer wieder darauf angesprochen habe und auch sie mit der Situation sehr unzufrieden war, änderte sie nichts daran. Das führte dann bei uns immer mehr zu Streitigkeiten, die sich alle mehr oder weniger darum gingen, dass immer noch keine Klarheit herrscht und uns das in anderen Dingen immer wieder negativ beeinflussen würde.
Nun kam vor 3 Wochen der Supergau. Sie ging wieder zurück zu ihren Mann, alles wegen dem Kleinen, der mittlerweile 4 Jahre ist. Sie kam halt nicht damit klar, dass der kleine immer geweint hat, wenn er von seinem Vater wieder weg musste, fühlte sich aber auch bei mir ganz zu Hause. Aus ist es seitdem aber auch nicht. Sie hat wohl gedacht, dass sie mit der Trennung wesentlich besser wegstecken könnte. Aber weit gefehlt. Wir beide leiden unglaublich unter der Trennung, aber auf Grund ihres Sohnes kann sie noch nicht wieder zurück, was sie aber will. Was wir beide haben, ist einzigartig zumindest für uns und wir sagen beide voneinander, dass wir perfekt zusammen sind. Da sie viel mit ihrem Sohn beschäftigt ist, hat sie natürlich nicht so viel Zeit sich einen Kopf zu machen, da er auch sehr fordernd ist. Mit ihrem Mann läuft überhaupt nichts, sogar schlafen tun sie getrennt, also ist da nichts was ich befürchten müsste. Wir treffen uns im Moment täglich für ca. eine Stunde, da ihr Mann ständig Nachtschicht oder Spätschicht hat, haben wir abends, wenn der Kleine im Bett ist, Zeit für uns, die wir auch so gut wie möglich ausnutzen. Wir wollen natürlich beide wieder zusammen sein, aber mir dauert das alles etwas zu lange und habe natürlich auch mehr Zeit mir einen Kopf zu machen.

Ich denke das sollte erstmal reichen, was die Komplexität dieser Beziehung angeht und bin mal darauf gespannt, ob da einer einen guten Rat für mich hat.

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Antworten (10)

Hallo Kodi,

Ich freue mich wirklich, dass ihr jetzt wieder positiv in die Zukunft schaut und euch vorgenommen habt von jetzt an offen über eure Sorgen zu reden. Gerade das Reden ist so wichtig denn nur so weiß der Gegenüber auch wirklich was in seinem Partner vorgeht und man kann sich so gemeinsam unterstützen. Es ist schön, dass ihr euch gegenseitig stärkt. So schafft ihr es auch die nächsten Wochen zu überstehen und diese schwere Zeit wird eure Beziehung noch stärken.

Ich würde mich auf jeden Fall freuen wenn du berichten würdest wie es weiter geht und wenn du mal wieder Hilfe brauchst weißt du ja wo du mich findest.

Ich drücke euch beiden die Daumen und wünsche euch, dass eure Wünsche in Erfüllung gehen.

Danke für Alles

Ja wir können tatsächlich über ALLES reden. Für uns gibt es kein Tabuthema. Egal ob es Belanglosigkeiten, Beziehungsprobleme oder der Sex ist, wir können wirklich über alles und auch ganz offen reden. Deswegen gibt es bei uns auch nichts, was irgendjemand vermissen würde. Jede Berührung, jeder Kuss und auch jeder Sex den wir haben, ist daher auch so, dass keiner irgendwelche offenen Wünsche hat. Nur mal um zu erklären, dass wir tatsächlich über alles reden können. Wir wissen auch voneinander mehr als jeder andere, was zusätzlich noch mehr zusammenschweißt. Auch was Vertrauen angeht, gibt es da keinen Zweifel, ansonsten würde das alles nie so wirklich funktioniert haben und auch die Zeit jetzt, wäre undenkbar.

Ich habe die letzte 2 Tage sehr viel mit ihr darüber geredet. Ich kann sie verstehen, dass sie sich von den ganzen Altlasten endlich mal befreien will, was sich auch für sie genauso anfühlt. Wenn es dann danach dann endlich so wird, wie es sein soll, dann soll mir das recht sein. Mir ist natürlich klar, dass man ein Leben, was man 15 Jahre in diesem Haus geführt hat, nicht in ein paar Tagen entrümpeln kann und der Kleine ist ja auch noch da. Von daher wird es wohl noch ein paar Wochen dauern. Wir haben auch darüber gesprochen, dass uns die Gespräche sehr gut getan haben und wir auch in Zukunft mit genau dieser Offenheit weiter machen müssen. Wir haben auch darüber gesprochen und uns damit klar gemacht, dass es im Moment zwar wieder gut und angenehm ist, aber dass auch wieder schlechte Tage kommen werden. Aber ich denke auch, dass grade das Bewusstsein um diese schlechten Tage uns über diese Zeit helfen werden. Ich versuche ihr natürlich den Rücken zu stärken, wo es nur geht, aber ihr eben auch klar gemacht, dass es dann auch wieder Tage geben wird, wo meine Kraft nicht mehr ausreicht und ich dann auf Ihren Rückhalt angewiesen sein werde. Aber das tun wir ja eh schon. Wir wissen eh sofort voneinander ob in dem jeweils anderen grade etwas vor geht und da müssen wir uns nicht mal sehen für.

Ich weiß wir schaffen das. Es wird keine einfache Zeit werden, aber ich denke wir sind in dieser Beziehung mit allem bewaffnet, was dafür nötig ist, das zu überstehen.

Dir Rice, möchte ich auf jeden Fall schon mal Danke sagen, dass Du ein offenes Ohr für mich hattest und mir mit einem Rat zur Seite gestanden hast. Es ist manchmal von Vorteil, einen völlig unvoreingenommen Menschen einen Blick auf die Sache werfen zu lassen. Irgendwann ist man eben selbst irgendwann mal in so einem Tunnel, dass man rechts und links nichts mehr sehen kann und dann kann so ein Einblick von außen, wieder Licht auf die Sache werfen. Ich werde mich auf jeden Fall nochmal melden, und ein Update abliefern, wenn es Dich interessiert.

Danke und Gruß Kodi.

Ich kann das schon nachvollziehen und du musst dich auch nicht rechtfertigen. Du kannst ihre Denkweise ja besser einschätzen als ich. Wichtig ist, dass sie aktiv wird und dir das auch zeigt. Im Endeffekt müsst ihr ja euren Weg finden und nicht den Anderer gehen. Dass was bei einem gut funktioniert muss ja für den Anderen noch lange nicht richtig sein. Wenn ihr euch so sehr liebt und zusammenhaltet dann könnt ihr auch alles schaffen.

Ich bin schon mal froh zu lesen, dass du auch ein tolles Umfeld hast welches dich auffängt.

Halte ein Auge drauf, dass sie wirklich anfängt sich von den Altlasten zu lösen und mach dich selbst nicht fertig. Sage ihr auch weiterhin ganz offen wenn du Bedenken hast und teile deine Sorgen mit ihr. Ihr scheint ja wirklich gut darüber sprechen zu können.

Ich wünsche euch von Herzen, dass diese schwere Zeit bald überstanden ist und ihr eure Liebe sorgenfrei genießen könnt.

Tut echt gut

Hallo Rice,

Ich hatte gestern nach den ganzen Mails die ich mir mit ihr hin und her geschrieben habe, abends noch mit ihr lange telefoniert. Was nach wie vor der Fall ist, dass wir uns lieben wie bescheuert und eigentlich auch nicht ohne einander können. Ich habe ihr bei dem Gespräch klar gemacht, dass es so nicht weiter gehen kann. Das sie vieles nur benutzt um es vorschieben zu können. Ich weiß nicht wie ich das jetzt erklären soll ohne dass es so klingt, als wenn ich wieder nachgeben würde. Aber ich versuche es mal.

Nach dem Brief gestern ging es mir persönlich schon viel besser. Ich hatte das Gefühl mich von einer Last befreit zu haben, einfach weil ich ihr mal klar machen konnte, was in mir vorgeht und wie die Dinge aus meiner Sicht aussehen. Wie gesagt haben wir dann gestern Abend noch recht lange telefoniert. Was sie will, ist für sich den Cut vorbereiten. Sie will sich von den Altlasten befreien. Das sind Dinge, die sie schon lange machen wollte, aber durch den Anfang unserer Beziehung liegen geblieben sind. Sie sagt dass es für sie ein Art Befreiung ist und es ihr dadurch leichter fällt endlich den Cut 100%ig über die Bühne zu bekommen. Sie will damit nichts vorschieben oder in hinauszögern, sie will das alles nur aus dem Kopf haben. Das Haus, in dem Sie mit ihrem Mann lebt oder gelebt hat, hat schon ein gewisse Bedeutung für sie. Das ist ihr Elternhaus, was sie dann irgendwann mal übernommen hat. Ich denke auch nicht, dass sie sich abhängig von ihrem Mann fühlt. Sie ist eigentlich eine verdammt starke Frau und war immer unabhängig, das war ihr auch sehr wichtig. Sie war schon mal verheiratet vor ihrem jetzigen Mann, bei dem hat sie alles allein geregelt was das Haus und das ganze Drumherum anging. Das bekommt sie auch nicht raus. Von daher fällt die Abhängigkeit raus.

Es ergibt durchaus Sinn für mich, dass sie sich vom Kopf her erstmal von den ganzen liegengebliebenen Altlasten befreien will. Die Gefahr, dass es dann so laufen würde, wie die letzte 1, 5 Jahre, wenn sie sich nicht davon befreit, ist wohl recht groß. Von daher möchte ich ihr die Zeit geben. Dafür will sie dann aber auch 100%ig den Cut dort machen, mit allem was dazu gehört. Kein hin und her mehr, sondern nur noch wir. Auch wenn das jetzt so klingt als hätte ich mich von ihr einlullen lassen, was durchaus sein kann, denke ich, dass ich ihr die Zeit gebe und mich versuche dadurch zu kämpfen. Wenn ich dann dafür den Rest meines Lebens mit ihr glücklich sein kann, was dann definitiv der Fall sein wird, dann bin ich gerne bereit diesen Preis zu zahlen.

Was ich persönlich angeht. Ohne so zu wirken, dass ich sehr Sprunghaft in meinen Gefühlen bin. Mir geht es im Moment wesentlich besser. Auch wenn diese Gedanken, über die wir dann gestern am Telefon auch gesprochen haben, alles andere als ungefährlich sind, weiß ich doch auch, dass es schon sehr sehr düster aussehen müsste, bevor ich mich tatsächlich mit solchen Gedanken als eine Art Lösung beschäftigen würde. Ich habe doch in meinem Umfeld recht viele gute Freunde, die mich versuchen aufzufangen. Manchmal mit brutaler Ehrlichkeit, Manchmal reicht es aber auch völlig mit diesen Menschen Zeit zu verbringen und auch vielleicht ein wenig darüber zu reden. Außerdem habe ich noch den Sport, der natürlich nachdem ich in den letzten knapp 3 Jahren gut 21kg verloren habe (nicht durch den Stress), mehr als aufbauend.

Es wird die nächsten Wochen mit Sicherheit kein Zuckerschlecken werden, aber ich denke, wenn es dann 100%ig ist, dann soll es so sein. Auch wenn ich weiß, dass das nach hinterherlaufen klingt, bin ich mir durchaus bewusst, wofür ich das tue und sie ist nun mal keine Frau, die sich mit irgendeiner anderen vergleichen lässt. Wie gesagt, wenn ich danach für den Rest meines Lebens mit ihr glücklich sein kann, dann bin ich gerne bereit nochmal diesen Preis zu zahlen. Was ich mir wohl geschworen habe, dass wenn es dann immer noch so laufen sollte, wie die letzten 1, 5 Jahre, dann werde ich die Reißleine ziehen. Denn das Spiel mache ich auf keinen Fall noch einmal mit. Dann wird daran gearbeitet, was wir uns für unsere Zukunft vorgenommen haben.

Kann man das irgendwie nachvollziehen ?

Hallo Kodi,

Es war auf jeden Fall richtig ihr mal deine Gedanken kund zu tun. Der Punkt an dem du bist ist überhaupt nicht gut und wenn sie dich wirklich so sehr liebt dann muss sie auch endlich eine Entscheidung treffen.

Kann es sein, dass sie Angst hat sich gänzlich aus ihrer Ehe zu lösen weil sie Angst hat, dass sie es ohne den Vater des Kindes nichts schafft? Ich vermute nämlich, dass sie, auch bedingt durch ihre Kindheit, Angst davor hat allein dazustehen. Beim Vater des Kindes sieht sie wahrscheinlich noch die Sicherheit und will das nicht aufgeben. Sie muss sich aber entscheiden was sie wirklich will und darauf vertrauen, dass es immer für jedes Problem eine Lösung geben wird. Ich habe mich selbst lange Zeit auch schwer getan die Beziehung zum Vater meines Erstgeborenen zu beenden. Ich glaube das lag daran, dass ich einfach Angst hatte vor der Zukunft und ob ich es schaffe mir allein ein neues Nest zu bauen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass die Angst vorm Gehen weitaus schlimmer war als das Gehen und die Neugestaltung an sich. Wenn man erstmal den Schlussstrich gezogen hat dann ist der Rest garnicht mehr so schwer und man kommt besser zurecht als gedacht. Hätte ich das vorher gewusst wäre ich eher gegangen und hätte nicht so eine Angst gehabt.

So wie sie es jetzt macht geht es nicht weiter. Sie verletzt damit so viele Menschen und lässt sie in Ungewissheit das muss aufhören. Sie muss endlich Nägel mit Köpfen machen und sich entscheiden und handeln. Wenn sie dich wirklich so liebt dann darf sie nicht zusehen wie du vor die Hunde gehst.

Vielleicht solltest du etwas auf Abstand gehen und nicht immer verfügbar sein. Nur so merkt sie, dass es so nicht funktioniert und sie riskiert alles zu verspielen. Ich glaube solange du immer noch so stark präsent bist für sie, wird sie die Notwendigkeit nicht erkennen etwas zu ändern. Auch das Argument mit dem "noch so viel zu tun und zu packen" ist einfach nur eine Ausrede um die Situation weiter in die Länge zu ziehen. Ich bin damals mit meinem Kind mit lediglich 2 Koffern und seinem Lieblingsspielzeug gegangen und das auch mehrere 100km entfernt von meiner Heimat. Wir haben uns hier alles selbst neu aufgebaut und auch das war machbar. Sie soll dir und ihrem Kind zu liebe endlich eine Entscheidung treffen.

Abschließend möchte ich dich bitten dich nicht komplett aufzugeben auch wenn es zur Zeit schwer ist. Kein Mensch der Welt ist es wert, dass du an deinem Dasein zweifelst! Ich denke du hast bestimmt auch noch einige andere Menschen in deinem Umfeld und auch ihnen darfst du es nicht antun, dass du aufgibst. Du hast schon viel durch im Leben und es warten noch so viele tolle Sachen auf dich, lass dir das nicht nehmen.

Egal wie das Ganze ausgeht, du wirst hier immer einen Ansprechpartner finden der für dich da ist. Du musst da nicht alleine durch.

Halt die Ohren steif.

Mal so als Nachtrag noch

Ich habe ihr heute einen Brief geschrieben den ich dann "ein letzter Versuch" genannt habe. Ich will sie damit nicht schocken, aber es sollte schon ein gewisses Wachrütteln erreichen. Ich habe ihr darin geschrieben, dass es so nicht weiter geht und dass ich es für sehr gefährlich halte, dass uns schon solche Gedanken durch den Kopf gehen. Und wir sind beide vom Typ her, sehr lebensfrohe Menschen, die eigentlich so schnell nichts aus der Bahn wirft. Wir haben auch beide schon so einiges durch, aber sind auch immer wieder aufgestanden. Zum ersten Mal habe ich zumindest das Gefühl, mich davon nicht mehr so schnell zu erholen, weil einfach mein ganzes Herz darin steckt und ich weiß, dass es bei Ihr nicht anders ist.

Ihre Reaktion über WhatsApp wirkte sehr geschockt und sagte mir, dass ich ihre große Liebe bin und sie sich ein Leben ohne mich nicht mehr vorstellen kann. Aber trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass auch das mehr oder weniger, ich will nicht sagen abprallen wird, aber vielleicht nicht ganz so ankommt, wie es sein sollte. Ich habe ihr mehrmals in dem Brief geschrieben, dass es so nicht mehr weiter geht, ich am Ende bin und eben dass ich diese Situation mit diesen Gedanken für sehr gefährlich halte. Ich habe ihr geschrieben, dass es nichts bringt, wenn sie oder ich irgendwann mal zusammenbrechen deswegen. Es ist verrückt wenn man darüber nachdenkt und es macht dann alles noch viel weniger Sinn. Wir sind perfekt füreinander, fahren voll aufeinander ab, man kann die Funken regelrecht sprühen sehen, wir erleben beide Gefühle miteinander, die wir beide noch nie so erlebt haben und wir sind beide Anfang 40. Auch unsere Liebe die wie füreinander empfinden, nimmt nicht ab sondern eher zu. Es Macht einfach keinen Sinn, dass sie den Schritt nicht endlich durchzieht. Ich habe noch nie so geliebt, aber es war auch noch nie so schwer.

Und wie wir daran kaputt gehen

Gestern hatten wir genau dieses Gespräch, völlig unabhängig von deiner Antwort. Ich denke auch dass sie genau das plagt. Sie will alles besser machen bei ihrem Sohn, sie hat das Gefühl vor einem riesigen Scherbenhaufen zu stehen und dass ihr Leben total verkorkst sei. Witziger weise habe ich ihr so ziemlich genau das gesagt, was Du mir geraten hast. Sie darin bestärkt dass sie eine wundervolle Mutter ist und alles andere als das was ihre Mutter für sie war.

Ich denke sie verrennt sich da. Sie findet auf einmal tausend Dinge die noch erledigt werden müssen, bevor sie den endgültigen Schritt dann gehen kann. Ich hab ihr gesagt, dass sie verrückt sei, all das können wir auch noch machen, wenn dann mal alles geregelt ist. Als wenn sie das Gefühl hat, dass sie sofort mit allem was sie mitnehmen will aus dem Haus raus muss. Dabei ist das totaler Quatsch. Sie weiß noch nicht ob ihr Mann da wohnen bleibt oder ob er sich was anderes sucht. Und selbst wenn, gibt es immer noch eine Kündigungsfrist, in der mehr als genug Zeit ist, alles zu verteilen und zu regeln.

Um mal auf die Überschrift zurück zu kommen. Wir gehen da tatsächlich dran kaputt. Ich bin ein sehr lebensfroher Mensch, aber so langsam kann ich es verstehen, dass Menschen, die nicht mehr weiter wissen, sich mit Gedanken herumschlagen, die das Leben rapide verkürzen. Und das geht in uns beiden vor.

Ja guter Rat ist teuer. Manchmal denke ich, dass ich es vielleicht besser beenden soll bevor noch irgendwas passiert, was man nicht mehr rückgängig machen kann. Schluss machen ist für mich auch keine Option, zumindest noch nicht, dafür liebe ich sie viel zu sehr. Natürlich weiß ich auch, dass es nichts bringt, wenn ich selber dabei kaputt gehe. Wir wissen beide, dass es besser ist, wenn wir wieder zusammen sind, aber ich weiß auch nicht, wie ich es anstellen soll. Alles Scheiße irgendwie.

Hallo Kodi,

Ich verstehe ja, dass sie gerade wegen ihrer Vergangenheit versucht jetzt bei ihrem Kind alles besser zu machen. Mach ihr klar, dass sie das bereits tut. Sie denkt und handelt doch ganz anders als ihre Mutter. Wir Eltern dürfen nicht immer unsere eigene verkorkste Kindheit zum Anlass nehmen es bei unseren Kindern perfekt machen zu wollen. Perfekt gibt es eh nicht und man setzt sich bei dem Versuch viel zu sehr unter Druck.

Bei mir ist in der Kindheit auch nicht alles rund gelaufen (human ausgedrückt), trotzdem kann ich das nicht in das Leben meiner Kinder projizieren. Ihnen kann das Gleiche nicht passieren. Ich bin nicht meine Eltern und meine Vergangenheit ist nicht die meiner Kinder. Hoffe du verstehst was ich meine.

Sie soll aufhören sich selbst so unter Druck zu setzen. Für ihr Kind wird sie immer die beste Mama der Welt sein, auch wenn sie mal Fehler macht. Sie soll sich selbst und ihrem Gefühl vertrauen und einen Schlussstrich ziehen. Auf Dauer geht die Arme kaputt daran. Ihr Mäuschen wird es lernen damit umzugehen, dass Mama und Papa kein Paar mehr sind. So lange sie dem Kind zu spüren geben, dass er auf sie als Eltern zählen kann wird er damit gut zurecht kommen.

Stärke ihr den Rücken (das machst du bestimmt schon) und bring ihr bei, dass sie nicht perfekt sein muss. Sie soll ihre Kraft zusammen nehmen und ihrem Herzen folgen bevor ihr alle daran kaputt geht.

Gut jemanden zu haben der das ansatzweise versteht

Um das mal vorne weg zunehmen, ja sie ist sowas von zerrissen im Moment. Die Beziehung zu ihrem Mann ist kaputt. Ihre Gefühle sind auch komplett bei mir. Man muss aber sagen, dass sie erst sehr spät Mama geworden ist und ihre Kindheit war auch alles andere als schön. Sie ist sehr viel hin und her geschickt worden. Da sie ihren Vater sehr früh verloren hat (Verstorben), und Ihre Mutter irgendwie Geld zum Leben heranschaffen musste, wurde sie zwischen Tanten und Bekannten hin und her geschoben. Und auch da war es alles andere als ein Zuckerschlecken. Sowas ähnliches will sie natürlich ihrem Sohn ersparen, was aber eigentlich nicht passieren kann.

Die Situation ist natürlich jetzt erstmal bescheiden nachdem sie zurückgegangen ist, aber sie will wieder zurück, weil sie jetzt erst richtig leidet, eben weil wir beide das Gefühl haben, perfekt füreinander zu sein. Das aber jetzt alles auseinander zu schreiben würde jeden Rahmen sprengen.

Sie weiß dass sie einen Fehler gemacht hat. Sowohl in der Zeit, in der Sie bei mir gelebt hat, als auch jetzt mit dem Rückzug. Das sie als Mutter nur funktionieren kann, wenn sie selber glücklich ist, das weiß sie auch, aber sie hat im Zuge von Ostern und dem Geburtstag ihres Sohnes einfach keine andere Lösung mehr gesehen. Kurzschlussreaktion eben. Sie musste dass alles irgendwie unter einen Hut bekommen und wusste natürlich, dass sie mir damit wieder vor den Kopf stoßen würde.

Hinhalten will sie mich nicht. Wirklich sicher und absolut wohl, fühlt sie sich nur bei mir. Und das sind ihre eigenen Aussagen, die sie macht, ohne dass ich sie darauf anspreche. Ich weiß auch, dass ich ihr vertrauen kann. Da hätte sie sowieso keine Chance, da ich in ihr lesen kann, wie in einem Buch.

Fakt ist, dass sie sich häufig zu sehr einen Kopf macht. Und das wird ihr auch jetzt wieder im Wege stehen, da sie dass ohne ein wenig Druck, wieder schleifen lassen wird. So zumindest mein Gefühl. Dabei will ich das gar nicht, ich will ihr keinen Druck machen. Brauche ich ja auch eigentlich nicht, da sie ja zurück will, aber für mich ist es halt auch wichtig mal zu wissen wo ich dran bin.

Schwierige Situation im Moment und ich kann nur da sitzen und abwarten, dass sie die Kurve kriegt.

Es würde mich freuen, wenn ich mich dazu ein wenig mehr austauschen könnte, es ist mit Sicherheit nicht schlecht, wenn mal jemand einen unbefangen Blick auf die Situation wirft und seine Meinung dazu kund tut. Auch wenn es schwierig ist, das ganze Drumherum jemanden wirklich begreiflich zu machen. Es ist für uns beide wirklich was sehr besonderes was wir da haben und wir sind beide Realisten und keine Fantasten.

Hallo Kodi,

Da hast du ja schon einiges durch.

Einen wirklichen Rat kann dir da wohl keiner geben, aber vielleicht einen kleinen Denkanstoß.

Für mich persönlich klingt deine momentane Situation eher so als würdest du hingehalten werden. Irgendwie wirkt es so als ob deine Auserwählte sich aus dir und dem Vater des Kindes das Beste rauspickt. Der Vater für die Sicherheit und du für das Abenteuer. Ich kann ehrlich gesagt dieses Argument von ihr nicht nachvollziehen, dass sie wegen dem Kind zurück ist. Sicherlich ist es für Trennungskinder nicht leicht damit umzugehen, aber das kann kein Argument sein um eine unglückliche Beziehung weiter zu führen. Wie hält sie das aus? Wenn es wirklich so ist dann muss es sie doch innerlich zerreißen.

Ich habe mich selbst vom Vater meines Ältesten getrennt als er gerade 5 Jahre war. Ja das war schwer für das Kind und es sind auch viele Tränen geflossen. Deswegen wäre ich aber im Leben nicht auf die Idee gekommen die Beziehung zum Schein weiter zu führen, Kinder durchschauen dieses Spiel so und so. Lieber sollte man in der Trennungszeit für das Kind da sein und eventuell auch Hilfe einholen. Mein Sohn wurde z.B. psychologisch betreut und ich hatte mich beim Jugendamt über Hilfe erkundigt. Es gibt z.B. direkt betreute Gruppen für Trennungskinder in denen sie sich austauschen können und auch therapeutische Hilfe bekommen. Das Alles kann man in Anspruch nehmen um es seinen Kindern leichter zu machen und gerade wenn sie noch so jung sind haben sie gute Chancen schnell mit der neuen Situation zurecht zukommen. Vielleicht könntest du das mal deiner Partnerin vorschlagen. Wenn sie wirklich nur wegen dem Kind zurück zum Kindsvater gegangen ist, sollte sie das eigentlich in Anspruch nehmen. So geht die Situation doch nicht auf Dauer. Das macht euch doch alle nur kaputt und auch das Kind mit. Auch in diesem Alter bekommen sie schon genug mit und euer Hin und Her überträgt sich auf ihn. Das Kind wird lernen, dass beide Eltern es lieben und für es da sind auch wenn sie selbst keine Beziehung mehr führen. Zudem kann nur eine glückliche Mama auch ein zufriedenes Kind groß ziehen. Sie soll daran denken, dass sie nicht nur Mutter sondern auch immer noch Frau ist.

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