Pro Baby entscheiden?

Hallo ihr Lieben,

ich bin neu hier und ohne vorher als stille mitleserin aktiv gewesen zu sein, habe ich mich hier registriert, um möglichst viele euerer Meinungen anzuhören.. ich bin nämlich auf dem Höhepunkt meiner Ratlosigkeit..

Ich bin in der 6. ssw und Studentin. Mein Freund ist absolut gegen dieses Baby, aus durchaus nachvollziehbaren Gründen (junge Beziehung über die Ferne, er hat derzeit keinen Job, Eltern würden es nicht befürworten etc). Das Absurde: hätte man mich vor 2 Monaten gefragt, ob ich abtreiben würde nach einer ungeplanten Schwangerschaft, dann hätte ich es bejaht.. Ich lege viel wert auf meine Karriere, bin sehr gut im Studium, habe mein 1. Staatsexamen mit einer 1 abgeschlossen, aber jetzt kommt es mir einfach vor wie das allergrößte verbrechen... Ich fange jeden Tag an zu weinen, wenn ich meinen freund immer und immer wieder auf das Baby anspreche und er traurig und resigniert meint, dass es einfach nicht der passende zeitpunkt sei.. Ich erlebe jetzt schon alle Facetten der Schwangerschaft, mir wird oft übel, meine Geschmacksnerven spielen verrückt, mein Haar glänzt mehr und ich hab ständig Bauchziehen. Mein erster Untersuchungstermin ist nächsten Dienstag, mein Freund kommt mit... Ich war bereits bei der Schwangerschaftsberatung um mir den wisch für den Abbruch zu holen..

aber mir gehts einfach so verdammt schlecht mit diesem Gedanken.. Rational gesehen spricht alles gegen dieses Kind. ich lebe in einer winzigen einzimmerwohnung, habe kaum einkommen, meine eltern würden mich vermutlich enterben, Fokus Karriere wäre nicht mehr möglich, etc pp.

ich weiß einfach nicht, was ich tun soll.. Ob ich mit den seelischen Schäden nach einer ungewollten Kürettage fertig werde...ob ichs trotz beschißener Ausgangslage nicht doch wagen soll? habt ihr noch Ideen, wie ich meinem freund vielleicht noch eine andere sichtweise auf die Dinge aufzeigen kann? er will nämlich prinzipiell Kinder und meinte, dass wir es in einem jahr nochmal angehen könnten. das ist doch schwachsinn.. wieso soll dieses Baby nicht leben dürfen, in einem Jahr aber schon?

bin einfach verzweifelt. Herz oder Vernunft... ich weiß nicht für was ich mich entscheiden soll..
Gibts hier Leute mit ähnlichen Erfahrungen?

Antworten (7)

Du Liebe, jetzt war ich länger nicht online...
Dein Schmerz über deine Abtreibung ist so spürbar. Wie gern würde ich dir ein Stück davon nehmen.
Dass deine Mutter so reagiert, tut mir von Herzen leid. Du fühlst jetzt den Schmerz einer Mutter, die ihr Kind nicht mehr bei sich hat. Und wünschst dir wahrscheinlich, dass deine Mutter deine Gefühle nachempfinden und dir Trost geben kann.
Es gibt wirklich ganz tolle Organisationen, die Frauen nach einer Abtreibung helfen können, z.B. Rahel e.V. Es ist wirklich sehr wichtig, dass du jetzt sehr gut auf dich achtest. Auf dein Inneres, dass jetzt so verletzt ist und ganz viel Liebe und Zuwendung braucht. Und die gibt es, bitte schau dich um, wo du etwas passendes für dich finden kannst!
Ich wünsche dir wirklich nur das Beste! Dass du eines Tages wieder ganz zuversichtlich sein kannst.
Alles Liebe! Herzstrom

Hallo..
ein letztes mal möchte ich hier schreiben..
mir geht es immer noch sehr schlecht. Eigentlich sogar noch schlechter wie vor einer Woche. Der grund? ich hab meiner mutter nun endlich erzählt was los war. Ihre Reaktion war auf gut deutsch genau so beschißen, so verletzend und so entwürdigend wie ich sie mir vorgestellt hatte.
sie hat nach meinem geständnis am telefon gelacht. GELACHT. und gesagt, dass sies eh schon wusste und nur darauf gewartet hatte, dass ich es ihr sage. Außerdem meinte sie, dass ich kein recht zum traurig sein hätte, denn wär zu blöd zum verhüten sei, hat das schließlich selbst zu verantworten und das die Abtreibung das einzig richtige gewesen wäre, denn sie hätte den Krümel sicher nicht aufgezogen.
Ich hab wie immer meinen Mund gehalten. wenn ich eins in den letzten Jahren gelernt habe, dann dass der versuch ein reflektierendes, klärendes gespräch mit meiner grausamen mutter, nichts bringt. Am liebsten hätte ich geantwortet dass ich mein Kind noch lieber von Bären aufziehen hätte lassen, anstatt ihn ihr zu geben.
Im grunde muss ich mich den Fakten nun stellen, mit all seinen schmerzhaften seiten, in der Hoffnung ich möge etwas daraus gelernt haben: ich habe mein wundervolles baby aus Angst vor einer Frau abgetrieben, die sich selbst immer schon der wichtigste Mensch im leben war.Dafür musste mein Baby sterben. Für die Genugtuung einer frau, die andere gerne am boden sieht.
ich bin so furchtbar dumm.
Nie wieder, und ich schwöre bei allem was mir heilig ist, nie wieder, werde ich so einen schrecklichen Fehler begehen.

Danke Herzstrom

Hallo liebe Herzstrom!

Wieder möchte ich mich ganz herzlich bei dir bedanken. Es ist seltsam, aber du strahlst die selbe Ruhe und das selbe Mitgefühl aus, wie diese liebe Arzthelferin aus der Praxis. Woher nimmst du diese Herzenskraft für sgar jeman unebkannten wie mir? das ist eine wirklich äußerst seltene und unglaublich schöne Charaktereigenschaft.

Zu den letzten Wochen: sie waren wirklich sehr schwierig. ich zünde jeden Morgen und jeden Abend eine Kerze für meinen Kleinen Spatz an. Mein Freund und ich haben beschlossen, ihm auch einen Namen zu geben. Wirklich Trauerarbeit konnte ich aber noch nicht leisten, dafür stehen zu viele dieser verdammten Prüfungen an.
Meinem Vater und meiner Schwester konnte ich bereits nun offiziell von der Abtreibung erzählen. Sie reagierten beide überhaupt nicht so, wie ich gedacht habe. Sie haben geweint, waren entsetzt und mochten überhaupt nicht daran denken, wie es wohl für uns gewesen sein muss, diesen schritt aus angst gegangen zu sein. Das macht unendlich traurig, denn vielleicht hätten sie bei einem offiziellen Schwangerschaftsgeständnis auch so reagiert?
Ich bin immer noch nicht bereit meiner Mutter zu sagen, was los ist. Sie ist letztlich ja der Hauptgrund für diese Entscheidung gewesen. Ich versuche meine Wut zu unterdrücken, die bei diesem Gedanken hochkommt. Wut über sie, wt über mich, weil ich mich nicht durchsetzen konnte, wut über meine Angst, begleitet von tiefer Trauer.
Nie wieder würde ich diesen Schritt gehen, nie wieder.
Glaube, ich leide auch ein wenig an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Ich möchte mich am liebsten die ganze zeit selbst schädigen, sammle unentwegt babyklamotten und baby utensilien anstatt essen zu kaufen, hab schlafstörungen und breche beim Anblick von Kindern und Schwangeren in unerbittliche Tränen aus. In meinem Studium behandeln wir zur zeit auch Medikamente, die man bei Schwangerschaft geben kann, wenn bestimmte beschwerden auftreten. Ich kann mir nichts davo durchlesen, ohne selbst Magenschmerzen zu bekommen.

Eine ganz liebe Hebamme/Arzthelferin mit der ich mich unterhalten habe meinte, dass es zweierlei Arten von Menschen gibt. Den vernunfts und den Herzmenschen. Und wenn ein Herzmensch eine Vernunftsentscheidung trifft, die er so nicht emotional vertreten kann, schadet das. Ich glaube genau das passiert gerade mit mir. Und ich weiß einfach nicht, wie ich diese seelischen Wunden schließen kann.
Ich wünsch mir meinen Kleinen zurück.. so sehr.. aber es geht nicht. er ist weg. für immer ...

Ich fühle mit dir!

Liebe VenaCava,

ich finde kaum Worte um dir schreiben zu können, wie sehr mich deine Trauer berührt. Es tut mir so leid, dass deine Umstände so übermächtig gewesen sind... mir kommen selbst die Tränen...
Weine und trauere. Nimm Abschied. Es gibt dem Schmerz einen Rahmen und eine Richtung. Hast du schon die Kraft gehabt, Abschied zu nehmen? Vielleicht gibt es ein symbolisches Ritual, das dir dabei helfen kann? Einen Ort, an dem du trauern kannst?
Dein Freund und du – könnt ihr euch gegenseitig Kraft geben? Wirst du gehalten in dieser Zeit?
Dass du gerade nicht an die Klausuren denkst verstehe ich sehr gut. Gibt es die Möglichkeit, dass du die Klausuren nachholen kannst, dich eventuell krankschreiben lässt? Ich weiß, das ist manchmal sehr schwierig, aber vielleicht doch möglich?

Wenn du nochmal schreiben magst, würde ich mich sehr freuen. Wenn es dir hilft und nicht zusätzlich belastet. Ich bin immer noch hier und höre dir sehr gern zu, wenn du das möchtest.

Deine Herzstrom

Die Entscheidung

Hallo liebe/r Herzstrom.

Ich bedaure es zu tiefst, dass ich deine lieben Worte erst jetzt lesen durfte. Von all den Leuten, ob fremd oder nahe stehend, waren deine Worte, die tröstlichsten und schönsten..

Ich habe vor einer Woche abgetrieben und bin in meinem ganzen Leben noch nie so entsetzt, enttäuscht und angewidert von mir gewesen. Ich hatte niemals das Gefühl, dass das was ich tue 'wenigstens' meine eigene Entschheidung gewesen ist.Viel mehr fühle ich mich so, als hätte man mir an dem Tag nicht nur das herz meines Babys, sondern mein eigenes gleich mit rausgerissen.
Aber das ist allein meine schuld. ich hab den Eingriff ambulant durchführen lassen. Das Team, vor allem eine Arzthelferin und die zwei Ärztinnen waren wirklich gold wert. Sehr sehr einfühlsam, unglaublich kompetent und sehr aufmerksam. Ich wurde mehr als einmal gefragt, ob ich den Abbruch wirklich möchte, auch außerhalb des Rahmens der Professionalität, weil ich während des gesamten Aufenthalts nicht aufhören konnte zu weinen (ich schlief weinend ein und wachte weinend auf), aber darauf bestand nicht mehr nach hause geschickt zu werden. Wie konnte ich auch? Meine Mutter hat mich nie 'gestehen' lassen, dass ich schwanger bin, eher hat sie mich wohl ahnend zu einem Abbruchtermin genötigt. 'du brauchst schwanger nicht mehr nach hause kommen', 'solltest du schwanger sein, müssen wir sofort einen Termin zum Abbruch ausmachen', etc. Mein freund und ich hatten so viel Angst vor der Zukunft, dass wir einfach nicht gesehen haben, dass unser Baby unsere Zukunft war. Wir lagen uns lange weinend in den Armen und beide sind wir unglaulich wütend auf unsere Eltern, aber noch viel wütender auf uns selbst.

Liebe Frauen,
diese Worte richte ich an all diejenigen verzweifelten Mütter, die vor genau dieser Entscheidung stehen. Um Himmels willen, tut es nicht, wenn ihr nur den aller kleinsten Funken Zweifel habt. Es gibt so viele Frauen, die diese Entscheidung selbstbewusst und aus den passenden Gründen heraus treffen und dementsprechend gut damit zu Recht kommen. Das ist aber nicht der Fall, wenn man sich überwinden muss, einen Termin zur Abbruchsberatung geben zu lassen, überwinden muss, dem Frauenarzt zu sagen, dass man das kind vermutlich nicht behalten kann und auch nicht der Fall, wenn andere mehr für dich entscheiden, als du selbst. UNd erst recht ist es die falsche Entscheidung, wenn man die ersten ultraschall bildchen mit nach hause nimmt und nicht aufhören kann zu lächeln.Dann ist es vermutlich die falsche Entscheidung.
Ich war bis vor dieser Schwangerschaft immer Abtreibungsbefürworterin, weil ich nie verstehen konnte, wie man durch ein baby seine Karriere gefährden kann. Jetzt wünsche ich mir nicht sehnlicher, als diesen schritt nicht gegangen zu sein und am liebsten möchte ich wieder schwanger werden.. jetzt sofort. Ich habe in 4 wochen 10 Klausuren und habe bis jetzt nicht einmal ein Buch aufgeschlagen, weil ich an nichts anderes denken möchte/kann, als an mein verlorenes Kind.

In aller tiefster Trauer,
eure VenaCava

Du wirst gehört!

Liebe VenaCava,

ich hätte dir so gerne eher geantwortet, leider sehe ich deinen Eintrag erst heute. Du klingst so verzweifelt und traurig... das geht mir wirklich sehr ans Herz! Ich spüre so sehr, wie zerrissen du bist. Auf der einen Seite steht dein Freund, den du sehr zu lieben scheinst. Du willst auf gar keinen Fall, dass er unglücklich ist. Dafür würdest du alles geben... Und auf der anderen Seite spürst du deine Schwangerschaft schon so deutlich! Für dich ist das Kind real, du trägst es in dir. Du hast geschrieben, dass du weinen musst, wenn du über dein Kind sprichst. Und obwohl viele Dinge in deinen Augen gegen ein Kind sprechen, bist du mit deinen Gefühlen schon so involviert.
Da muss sogar ich erstmal tief durchatmen. Wie sehr musst du gerade unter Druck stehen!
Du hast am Freitag geschrieben, konntest du über Pfingsten etwas zur Ruhe kommen? Deine Gedanken und Gefühle ordnen? Und hattest du Zeit, nochmal mit deinem Freund zu sprechen? Wenn ihr nicht im gleichen Ort wohnt, werdet ihr euch wahrscheinlich eher am Telefon „treffen“, oder? Klar, er ist jetzt sicher auch geschockt und braucht Orientierung. Er spürt dieses Gefühl, dass du so klar beschreibst von dir, (noch) nicht. Vielleicht braucht er Zeit, den Gedanken an eine Vaterschaft zu verdauen? Scheinbar ist er ja nicht generell gegen Kinder eingestellt. Er kann sich das in einem Jahr vorstellen. Und jetzt hat euch die Zeit überholt und überrumpelt. Kannst du ihm deine Gedanken und Gefühle ganz offen erklären?

Heute bist du beim Frauenarzt gewesen, wenn ich richtig gelesen habe. Konnte er die SSW bestätigen? Wenn du in der 6. SSW bist, hast du noch etwas Zeit. Zeit, alles sacken zu lassen und gut zu überlegen, was der beste Weg für dich ist. Im Schock erscheint manches völlig ausweglos, aber mit der Zeit kann der eine oder andere Lichtstrahl durchkommen, der dir Hoffnung machen kann. Was wünschst du dir denn? Was sagt dein Herz? Du hast ja geschrieben, Herz gegen Verstand...
Liebe VenaCava, du bist sehr klug und zielstrebig. Und aus deinen Zeilen kann ich auch Mut herauslesen. Ich wünsche dir wirklich von ganzem Herzen, dass du innerlich zur Ruhe kommen kannst! Und ich würde mich sehr freuen, wenn du hier wieder schreibst. Ich bin hier ;-)

Viele Grüße von Herzstrom

So hallo, ich bins nochmal.. Irgendwie doof auf seinen eigenen Beitrag zu antworten, aber ich hab kein Tool zum bearbeiten gesehen...

weiß nicht, ob sich hier überhaupt jemand von ech dazu erarmt mir z antworten, vielleicht nutze ich das hier auch nur, um mein Herz auszuschütten, weil ich sonst keine Plattform dafür habe..

Gerade gehts mir ganz besonders schlecht.
Mein Freund hat sich vorhin mit seiner besten Freundin verabredet..an sich nichts ungewöhnliches, wenn ich nich wüsste, dass sie sich getroffen haben, um über mich zu reden.. immerhin war mein freund so ehrlich, um es mir mitzuteilen., Was genau aber besprochen wurde, hiel er mir vor.. er sagte, dass das Sachen wären die mir zu sehr weh tun, um sie mich direkt zu fragen..

Also ging es heute wohl um das Baby.. Ich sagte ihm nämlich, dass ich nicht abbtreiben möchte, es aber dennoch tun würde, wenn er denn so gar nicht will.. Habe ihm also einen großen Teil der Verantwortung selbst überlassen, worauf er völlig entsetzt reagierte.. Glaube zu meinen, dass ihm diese Entscheidung überhapt nicht gefiel, geschweige denn er damit zu rech kam. und ich denke genau darum gehts in dem gespräch mit seiner besten freundin nun. Ob man mir das zumuten könne...

Das Problem: Seine beste Freundin ist von der Art sehr locker und wie er hat auch sie wahnsinnige Bindungsprobleme. Sie erzählte mal, dass sie, als sie dachte sie sei schwanger viel joggen gewesen sei, nur noch sushi und sachen die man eben nicht essen sollte, aß, um einen Abgang zu forcieren, sollte sie eben schwanger sein, was sie aber dann wohl nicht war.

das Gespräch wird also sehr eindeutig ausfallen. Ich hab total Angst, dass die Unsicherheit nd somit vielleicht meine Chance, meinen Freund zu einem gemeinsamen beratungstermin zu überreden, verschwunden sind.

Ih stehe zu meinem Wort, möchte er das Baby absolut nicht, muss ich den Abbruch einleiten.. Andere glücklich machen, das ist was zählt. Keine eigenen Bedürfnisse haben. So funktionieren für mich Beziehungen..

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