Mehrere Phobien und Zwänge bei meiner Tochter

Hallo,

unsere bald 11-jährige Tochter hat in den letzten Jahren einige regelrechte Zwangsstörungen bzw. Ängste entwickelt, die uns den Alltag manchmal etwas erschweren. Aber darüber hinaus befürchten wir, dass ihr diese Störungen das Leben selbst mit der Zeit schwer machen werden. Ein paar der Macken will ich hier aufzählen:

Momentan ist es so, dass sie abends von keinem beleuchteten Zimmer in einen unbeleuchteten Raum gehen möchte, auch wenn sich der Lichtschalter in Griffweite befindet. Sie muss dann das Licht von jemand anderem angeschaltet bekommen. Das ist auch schon der Fall, wenn es noch dämmrig ist oder das Licht des ersten Raums noch in den anderen Raum hineinleuchtet, d.h. man sieht eigentlich grob, was in dem anderen Raum ist. Sie verschließt sich dabei jeglichen Vernunftargumenten, gutem Zureden usw.

Dann will sie in keinem Raum sein, in dem das Fenster offen oder gekippt ist; höchstens mal zum Lüften dürfen wir es aufmachen. Wenn sie alleine in einem allgemein genutzten Raum ist, z.B. im Bad, schließt sie das Fenster gegebenenfalls gleich, bevor sie irgendetwas anderes macht (es gab mal vor Jahren, als sie noch kleiner war, in der Schule das Gerücht, dass Einbrecher in unserem Ortsteil die Runde machen, was aber nicht gestimmt hat).

Vor Spinnen (auch den allerkleinsten) hat sie eine panische Angst. Sie verlässt dann sofort den Raum und verlangt, dass ich sie beseitige. Da auch der Rest meiner Familie so rumspinnt, habe ich dieser Phobie bisher aber bisher nicht viel Bedeutung zugemessen.

Es gibt aber auch kleinere Marotten, wie die, dass sie vor dem Zähneputzen immer noch einmal selbst die Zahnbürste unter dem Wasserhahn anfeuchten will, auch wenn die Eltern ihr mal aus Gefälligkeit schon die Zahnpasta auf die Bürste getan haben und sie vor ihren Augen unter dem Wasserstrahl angefeuchtet haben. Das geht schon so, soweit ich zurückdenken kann.

Ganz neu im Angebot: Wenn sie irgendwo auf dem Bett oder dem Sofa sitzt, muss sie immer die Socken ausziehen. Wenn sie dann wieder herumläuft, zieht sie sie aber nicht wieder an, was ihr schon einige Schniefnasen eingebracht hat, weil wir nur glatte Böden und keinen Teppich in der Wohnung haben.

Erst seit ein, zwei Jahren tritt bei ihr auch verstärkt die Angst vor Prüfungssituationen in der Schule auf, auch wenn sie den Stoff eigentlich beherrscht. Sie blockiert dann und schreibt lieber gar nichts hin, als irgendwas, was vielleicht falsch sein könnte. Sie hat anscheinend einen hohen Perfektionsanspruch an sich selbst, den sie aber nicht erfüllen kann. Das äußert sich auch darin, dass sie bisher noch nie im Leben einen Fehler von sich aus zugegeben hat, oder ihn eingesteht, wenn sie "ertappt" wird. Sie hat dann immer eine (oft wohlformulierte aber dennoch haltlose) Ausrede parat. Dabei ermutigen wir die Kinder seit kleinauf immer, zu ihren Fehlern zu stehen; sie werden deswegen auch nicht extra geschimpft, bestraft oder ähnliches.

(Unser Sohn ist bezüglich der Phobien und Ängste ganz anders gestrickt und kennt - bis auf die Spinnenangst - diese Verhaltensweisen nicht. Dafür ist er aber vom Charakter her auch sehr phlegmatisch, unsere Tochter dagegen sehr hippelig, was vielleicht vieles erklärt...)

All die kleineren Spleens sind ja nicht so schlimm; besondere Sorgen macht mit die Dunkelangst, weil es wirklich nicht darum geht, in ganz dunklen Räumen zu sein (sie schläft ja auch in einem fast dunklen Zimmer mit Nachtlicht, was ausreicht), sondern überhaupt erst einmal in diese Räume zu gehen. Das Anschalten des Lichts mit dem Schalter um die Ecke ist wirklich ein Kinderspiel, und trotzdem stellt sie sich so an. Zuerst dachte ich, es ist nur eine Art Werben um Aufmerksamkeit, aber inzwischen bemerke ich, dass sie wirklich Angst davor hat.

Wir waren deswegen auch schon in der Familienberatung, wo uns eine Therapie für sie angeraten wurde; aber diesen Gedanken lehnt unsere Tochter strikt ab und wirft uns vor, wir hielten sie wohl für verrückt, und sie sei aber nicht verrückt.

Vielleicht gibt es hier ein paar Eltern oder Kinder, die selbst mit diesen Problemen zu kämpfen hatten, und die uns sagen können ob und wie sie damit fertig geworden sind.

LG
marsupi

Antworten (1)
Nachtrag

Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Meine Tochter ist in der Regel kein zarter, verschüchterter Angsthase, sondern sie hat meistens einen regelrechten Dickkopf (und das nicht erst seit der langsam einsetzenden Pubertät), ist auch sonst nicht gehemmt (z.B. macht sie bei einer Artistik-Neigungsgruppe in der Schule mit, wo sie ziemlich waghalsige Übungen machen), und wenn sie mit ihrem Bruder zusammen ist, fliegen manchmal auch regelrecht die Fetzen...

Es sind eben punktuelle Verhaltensweisen und eben auch verschiedene "Angstsituationen", die sie nicht bewältigen kann.

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