Verhaltensauffälliges Kind - Ich brauche mal Euren Rat

Guten Abend zusammen,

ich brauche mal Euren Rat und entschuldige mich schon vorab, wenn ich gleich mit allem an Infos raus rücke, was ich so habe.

Seit rund 6 Jahren bin ich in einer Beziehung mit einer Frau, die ein Kind mitgebracht hat. Als wir uns kennenlernten war das Kind ein knappes Jahr alt. Der ursprüngliche Vater war alkoholiker, was man auch an seinem aktuellen Kind durch deutliche Auffälligkeiten sehen kann.
Gleich am Anfang habe ich mit relativ gut in die "Ersatz-Papa" Rolle hinein gefunden, das Kind gewickelt, mit allen zusammen in der Urlaub gefahren, letztendlich auch eine gemeinsame Wohnung. Der Kleine ist jetzt 7 Jahre alt und geht zur Schule. Nach der Schule geht er sporadisch zu meinen Eltern, die Opa und Oma spielen und Ihn ebenfalls lieb gewonnen haben.
Seit gut 2 Jahren ist er verhaltensauffällig geworden, der Kontakt mit anderen Kindern fällt Ihm schwer, er ist manchmal recht aggressiv, und generell ist er nur solange kooperativ, solange es nach seinem Kopf geht. Selbt strikte Verhandlundsversuche und Gespräche führen zu nicht; er hört schlichtweg nicht zu oder es ist ihm egal.
Er macht Dinge nur solange mit, wie es Ihm selber gefällt. Alles andere endet in wilder Schreierei. Auf Anraten der Schule hin hat er Förderunterricht bekommen, ebenso geht er mehrmals pro Woche in die Ergo, eine Betreuung bei der Vitos steht nun ebenfalls an. Vor eine Jahr hat die Vitos angefangen, ihm Medikamente zu verschreiben, da er ohne diese überhaupt nicht zu bändigen war, Medikinet. Ursprünglich waren wir dagegen, nach zwei Monaten mussten wir jedoch erkennen, dass es damit deutlich besser war. Leider nicht ausreichend genug.
Das jetzige Schuljahr wird er wiederholen. In Mathe ist er sehr gut, Deutsch mehr als schwer. Er mag Dinge nicht begreifen und ist auch nicht bereit, es sich groß erklären zu lassen.
Vor ein paar Jahren hat er angefangen Essen zu klauen, wobei es das bei uns immer ausreichend genug gab. Er war gerade ein paar Jahre alt, als wir in seinem Bobby Car verschimmelten Käse gefunden haben, den er dort gebunkert hatte. Das hat bis heute angehalten. Trotz zahlreicher Verbote dazu und klarer Ansagen, klaut er Essen aus dem Kühlschrank; seien es die leeren Schokoladenpackungen die plötzlich da liegen, oder sei es Obst was er im Nachttisch versteckt bis es schimmelt. Dazu sei gesagt, dass er Süsses bekommt, jedoch in Maaßen, anderes Essen soviel er mag. Er macht sogar VOR UNSEREN Augen irgendwas kaputt und sagt dann noch, er war das nicht.

Vor etwa 2 Monaten ist er wieder dermaßen ausgerastet, in unseren Augen grundlos, dass ich Ihm auf den Hintern gehauen habe. Danach war es dann okay. Heute, ein paar Wochen später hatten wir eine ähnliche Situation und er hat es wieder so dermaßen überreizt, bis es auf den Hintern gab. Ich sag vorab, dass ich das nicht als sonderich vernünftig erachte und selber auch aus einem guten Elternhaus komme, wo das ebenfalls nicht Gang und Gäbe war. Das Interessante dabei, für mich überhaupt nicht nachvollziehbar, ist, dass er nach 5 Minuten Heulen plötzlich wie ausgetauscht ist, aus dem Zimmer kommt als wäre nichts gewesen und sich vorbildlich benehmen kann. Es ist, als hätte man einen Schalter umgelegt, so daß es von jetzt auf gleich völlig vernünftig ist.

Wir sind ratlos und überlegen, woher das alles kommen kann. Sind es die Nachwirkungen, weil er das Kind eines Alkoholikers ist? Haben wir irgendwas "anerzogen", was in die falsche Richtung geht? Interessant ist auch sein Verhalten gegenüber UNS als Partnern. Er ist ganz offenbar eifersüchtig, nur kann man nicht erkennen auf WEN eigentlich. Wenn Papa mit Mama kuschelt drängt er sich dazwischen.
Letztendlich wird er nun in die Betreuung der Vitos gehen, sobald ein Platz frei ist, und aus der regulären Schule genommen für ein halbes Jahr. DAS ist das, was wir jetzt vor Augen haben. Auch dagegen haben wir uns lange versucht zu wehren, aber wir bekommen Druck von der Schulleitung, die Ihn von Anfang an nur zu gerne auf eine Sonderschule geschickt hätte, da der Kindergarten bereits vor seinen Auffälligkeiten gewarnt hatte. Das Kindererziehung nicht immer nur einfach ist, das ist uns durchaus bewußt, aber wir stoßen hier zunehmen an Grenzen, die uns auch im eigenen Leben langsam ans Limit führen.

Antworten (2)
Bor, ganz schön krass

Ich weiß schon, weswegen ich mich nie auf eine Frau mit Kind einlassen würde. Da will man sich ehrlichgesagt gar nicht ausmalen, was da erst alles auf einen zukommt, wenn das Kind schon etwas größer ist.

Derartige Phasen sind während der Entwicklung eines Kindes nicht ungewöhnlich, der Alkoholkonsum eines (nicht anwesenden) leiblichen Vaters dürfte hierbei kaum eine Rolle spielen. Vielmehr ist es die Umgebung, die das Verhalten eines Kindes prägt, und so sind es zunächst einmal oft die Eltern, welche sich „schuldig“ am Verhalten ihres Kindes fühlen. Aber ganz so einfach ist es natürlich nicht, denn ein Kind kommt im Regelfalle auch mit zahlreichen Menschen außerhalb des Familienkreises in Kontakt. Die frühe Kindheit (z.B. in der Kinderkrippe) ist dabei eine besonders prägende Phase, und die Summe der Sozialkontakte kann sich im Verhalten des betreffenden Kindes widerspiegeln. Dabei können durchaus auch sehr negative Verhaltensweisen zutage treten, denen das Kind sein soziales Umfeld zu beeinflussen versucht. Und ist ein Kind damit dann auch noch erfolgreich, vermag es dies durchaus zu erkennen und behält die entsprechenden Verhaltensweisen in Kindergarten oder Schule eventuell bei. An diesem Punkt sollte angesetzt werden und eine Analyse des sozialen Umfeldes unter Einbeziehung eines Kinderpsychologen ist in solch einem Falle zu empfehlen.

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