Wissenschaftliche Arbeit zum Thema Geschlecht und Identität

Hallo liebe Forenuser,

mein Name ist Christian und ich studiere derzeit in Hamburg Bildungs- und Erziehungswissenschaften. Ich setze mich in den folgenden 4 Monaten mit meiner Masterarbeit auseinander, die sich dem Zusammenhang von Geschlecht und Identität widmet. Meinen Hauptschwerpunkt möchte ich dabei auf die Transsexualität legen und dazu die Konzeptionen Judith Butlers verwenden. Neben der reinen theoretischen Bearbeitung möchte ich gerne auch einen kleinen Praxisteil in meiner Arbeit unterbringen und suche demzufolge Menschen, die als "Transsexuelle" gelten und ihr Leben dahingehend führen. Idealerweise würde ich dazu gerne ein kleines Face-to-face Interview führen, ein Chat würde es aber wohl auch machen. Grundsätzlich möchte ich durch diese Weise einen Einblick in die Lebenslagen von Transsexuellen gewinnen und herausfinden, in welchen Lebensphasen die Identitätsbildung besonders (gesellschaftlich) erschwert ist.

Sollte diese Art Aufruf im Forum nicht gewünscht sein, bitte ich dies freundlich kundzutun und entschuldige mich vorab für mein Vorgehen.

Gruß Christian

Antworten (1)
ERIKA-PE
Hallo Christian

Mit den Denkmustern einer Judith Butler wirst du dem Problem der Transsexualität nicht nahe kommen. Ihre Theorie geht, vereinfacht ausgedrückt davon aus, das Geschlecht oder besser die Geschlechtsidentität eines Menschen werde überwiegend durch Umwelt und Erziehung geprägt. Es mag sein, im weiten Spektrum der Gruppe der Transgender mögen Umfeld Einflüsse im weitesten Sinn eine Wirkung auf die Geschlechtsidentität haben. Es wird daher auch berechtigt von einer Geschlechtsidentitätsstörung (GIS) bei den betroffenen gesprochen. Aber darum geht es in deiner Arbeit doch eher nicht. Wenn ich dich richtig verstanden habe, so soll es in deiner Masterarbeit in der Hauptsache um Geschlecht, Identität, Transsexualität gehen.

Um es ganz Grundsätzlich zu sagen, Bei einem transsexuellen Menschen ist das Geschlecht, das in der Seele, dem Gehirn, der Psyche oder wie man es nennen mag, empfundene und festgelegte Geschlecht und die Identität immer eins. So wie es bei jedem Mann und bei jeder Frau der Fall ist. Einzig, die sichtbaren körperlichen Merkmale weichen davon ab. Das ist das Problem transsexueller Menschen. Wenn dieser Mensch nun die Möglichkeit hat diese Diskrepanz zb. durch eine das Geschlecht angleichende OP zu beseitigen, so sind die Probleme der Transsexualität im Prinzip gelöst. Was bleibt, sind die zu überwindenden Widerstände auf dem Weg dahin die auch zu einer krank machenden Belastungen werden können.

Jeder Mann und jede Frau weiß ein Mann oder eine Frau zu sein, niemand muß es ihnen sagen. Genau so weiß auch jeder Transsexuelle völlig unzweifelhaft ein Mann oder eine Frau zu sein. Jeder Mensch dem dieses zweifelsfreie Wissen fehlt ist in seiner Seele krank und leidet an einer Geschlechtsidentitätsstörung. Diese Menschen sind dann aber auch nicht transsexuell. Ein Transsexueller würde wenn er die Möglichkeit dazu hat immer seinen Körper der Seele anpassen lassen, nur seiner selbst willen, auch wenn er/sie auf einer einsamen Insel für sich ganz alleine leben würde. Ein Transgender würde unter dieser Vorstellung dazu keine Notwendigkeit sehen, denn es geht ihm eher um seine Rolle in der Gesellschaft.

Es würde an dieser Stelle vermutlich zu weit führen, auf alle Probleme rund um die Geschlechtsidentität einzugehen. Zb. den Einfluß oder gar den Druck den die Familie, der Staat, die Gesellschaft besonders auf Kinder und Jugendliche ausüben. Das kann dann auch zu einem verleugnen der wahren Identität führen und schwere seelische und körperliche Krankheiten verursachen.
Um es aber auch an dieser Stelle ganz klar zu sagen, auch alle von einer GIS betroffenen Menschen haben ein Problem und dieses Problem hat einen Anspruch auf Behandlung. Aber man darf TS und GIS nicht in einen Topf werfen, denn es sind 2 verschiedene Probleme die auch verschiedener Lösungen bedürfen. Übrigens, mindestens 80% derer die unter der Fahne der Transsexualität segeln, sprich das TSG in Anspruch nehmen, sind nicht Transsexuell sondern sie sind GIS, Transgender. Nur so ist auch das dumme Gerede von einem Operationszwang zu erklären, denn jeder Transsexuelle schätzt sich glücklich diese Möglichkeit zu haben.

Judith Butler hat ihr Weltbild nach ihren Vorstellungen oder Wunschvorstellungen konstruiert. Das aber hat mit der Realität soweit es um die Geschlechtsidentität geht nicht viel zu tun.

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