Wann ist eine Gallenstein-OP unbedingt erforderlich?

Seit einigen Tagen habe ich Gallensteine und die Schmerzen steigern sich. Ich möchte aber unbedingt eine OP vermeiden. Wann ist denn wohl eine OP unumgänglich und was könnte ich tun, um eine OP zu umgehen? Bin für jede Info dazu dankbar. Gruß, Justforfun

Antworten (3)
Tolle und brauchbare Antwort

Vielen lieben Dank für diese tolle und hilfreiche Antwort. Ich habe heute erfahren, dass meine Galle raus muss und Deine Schilderung nimmt mir viel Angst bzw. Unsicherheit. Danke

Viel tun kannst du auf Dauer nicht

Wenn du im Stadium der Schmerzen und wiederkehrender Koliken angelangt bist, solltest du eine OP nicht nur in Erwägung ziehen, sondern auch rasch angehen. Nicht nur wegen der ständigen Schmerzen, vor allem während der Koliken, sondern auch wegen den weitaus schwerwiegenderen Folgeerkrankungen, die auf Gallenkoliken folgen können. Ich hatte schon nach zwei Koliken eine schwere Entzündung der Gallenblase mit übergreifender Wandfibrose. Meine Gallenblase war nicht mehr weit entfernt von einer Perforation, und dann hätte ich wirklich ernsthafte Probleme gehabt.

Der Eingriff selber ist schon seit langem eine Routine-Eingriff mit einem sehr geringen Risiko für Komplikationen. Die Schmerzen sind gering und man ist schnell wieder auf den Beinen. Ich war schon nach vierzig Minuten wieder wach, habe mir ein Schmerzmittel geben lassen, nochmal zwei Stunden geschlafen, habe mich angezogen, mit meiner Ärztin über die Operation gesprochen und mich nach zwei weiteren Stunden mit meiner Schwester auf ein leichtes Gebäck in der Cafeteria getroffen.

Abgesehen von den Schmerzmitteln gleich nach der Operation habe ich keine weiteren Schmerzmittel benötigt. Außer einem starken Muskelkater habe ich nichts gespürt, und der war nach der ersten heißen Dusche fast verflogen. Die Einstichstellen reagieren auf Zug und Druck, aber das ist nicht schmerzhaft. Ansonsten habe ich viel Gas ausgestoßen (der Bauch wird mit CO² aufgepumpt, und das will natürlich wieder raus aus dem Körper).

Jetzt kommt das Wichtigste: Ich konnte sofort wieder normal essen und mein Verdauung ist seit der Operation so gut wie sie seit Jahren nicht mehr gewesen ist. Festen Stuhlgang kannte ich schon fast gar nicht mehr vor der Operation. Sicherlich ist die Genesung bei mir ausgesprochen gut verlaufen. Das ist bei jedem etwas anders. Generell ist diese Art der Operation sehr gut verträglich.

Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen kann es zu Verdauungsproblemen kommen. In der Regel bedeutet dies Fett-Durchfall nach reichhaltigen Mahlzeiten, aber es kann sich auch das Essverhalten und der Stoffwechsel verändern. Ich habe seit der Operation generell weniger Hunger als zuvor und kann wieder problemlos mein gesundes Kampfgewicht erreichen und halten (sprich, ich habe gewaltig abgenommen).

Normalerweise hast du also keine größeren Nachwirkungen zu erwarten; nichts was man nicht ggf. mit kleineren Anpassungen in der Diät regulieren könnte. Das macht auch Sinn, denn die Gallenblase produziert nichts, sondern speichert lediglich Gallenflüssigkeit für Zeiten erhöhter Nahrungszufuhr, um diese dann in den Darm zu entleeren. In unserer zivilisierten Welt ist dieses Organ daher von minderer Bedeutung. Bestenfalls verändert sich gar nichts, weil du schon immer so gegessen hast, dass die Galle kaum benötigt wurde. Schlimmstenfalls musst du deine Ernährung ein wenig anpassen (kleinere Mahlzeiten anstatt drei Mal Pommes am Tag).

Dein Gewinn: Keine Schmerzen mehr (vor allem keine Koliken - glaub mir, du willst keine Kolik haben!), keine Gefahr für schwerwiegende Folgeerkrankungen und wahrscheinlich ein besseres Allgemeinbefinden. Die Entfernung der Gallenblase ist bei Weitem das kleinste aller möglichen Übel, und die eventuellen Schmerzen sind Nichts im Vergleich zu den Schmerzen einer Gallenkolik.

Wenn sich die Gallensteine durch Medikamente usw. nicht zerstören lassen, dann bleibt eben nichts anderes als eine Operation. So schlimm ist das aber auch gar nicht. Inzwischen ist das eine Routineoperation für die Ärzte.

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