Wie Grillen im eigenen Garten ansiedeln?

Wenn meine Tante im Mai Geburtstag hatte, haben meine Eltern und ich sie immer in Bayern besucht. Und wenn wir bei schönem Wetter draußen gefeiert haben, waren immer auch Grillen zu hören. Meine Tante zeigte mir irgendwann, wie die großen Feldgrillen vor ihren Löchern im Rasen saßen und zirpten, was für mich eines der schönsten Kindheitserlebnisse überhaupt ist. Nun wüsste ich gern, wie ich eine kleine Grillenkolonie im eigenen Garten heimisch machen kann. Der trockene Rasen wäre jedenfalls für ihre Erdbauten super geeignet, es gibt von morgens bis abends Sonneneinstrahlung, und die Nachbarn hätten auch nichts gegen die Wiesenmusikanten. Aber meine Tante in Bayern lebt schon lange nicht mehr, und anderswo kenn ich keine Orte, wo es diese Grillen noch gibt. Es wird ja wohl auch inzwischen nicht mehr so gern gesehen, wenn einfach Tiere der Natur entnommen werden. Es sollten schon Feldgrillen sein, denn ich möchte keine Grillen aus dem Zoohandel in den Garten setzen, weil die bei uns nicht heimisch sind und sich hier eh nicht halten würden.

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Antworten (7)
Sehr super Idee, aber...

Ein solches Vorhaben sollte immer mit der jeweiligen Naturschutzbehörde besprochen werden. Denn leider ist es so, dass derlei Vorschläge zumeist abgelehnt oder gar nicht erst berücksichtig werden. Sollte die Naturschutzbehörde aber wider Erwarten ihr OK geben, wäre das wirklich ein sehr guter Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.

Feldgrillen nachzüchten

Wenn jemandem der Erhalt der Artenvielfalt am Herzen liegt, ist das immer lobenswert. Die Einbürgerung jeder Art ist allerdings auch ausnahmslos mit einer besonderen Verantwortung verbunden und erfordert ein hohes Maß an Gewissenhaftigkeit, Umsicht und gründlicher Vorbereitung. Auch Aspekte des Natur- und Artenschutzes sollten nicht außer Acht gelassen werden. Im Falle der wärmeliebenden Feldgrille muss dringend beachtet werden, dass gerade diese Art für die genetische Durchmischung ihrer Populationen sehr weiträumige Biotope benötigt, die sich in erster Linie aus kurzgrasigen Trockenrasen, Weiden und Grashängen mit starker Sonneneinstrahlung zusammensetzen. Nur wenn dieser Landschaftstyp in einer Gegend wirklich dominiert, können eventuell Ansiedlungsversuche der Feldgrille in Betracht gezogen werden. Hierbei wird man allerdings nicht umhinkommen, Ausgangsmaterial für eine Nachzucht der Natur zu entnehmen. Auch wenn die Feldgrille nicht unter Naturschutz steht, ist sie doch aus weiten Landstrichen bereits völlig verschwunden, und bisweilen muss man weit fahren und lange suchen, um eine Gegend ausfindig zu machen, wo diese Tiere noch in ausreichender Menge vorkommen. Besonders an sonnigen Tagen im Mai verraten die Tiere ihre Anwesenheit durch ihren bekannten, weithin hörbaren Grillengesang. An manchen Orten ihres Vorkommens treten die Feldgrillen noch recht zahlreich auf und können mittels eines Grashalmes aus ihren Erdlöchern hervorgelockt werden. Transportiert werden die Feldgrillen jede für sich in kleinen Plastikboxen, und zur weiteren Haltung setzt man die Tierchen (ebenfalls unbedingt einzeln!) in handelsübliche Haushaltboxen, in welche wir einige Rasenstücke gelegt haben. Wichtig ist, dass für die weiblichen Tiere, die man an den glatteren Flügeln und der spitzen Legeröhre am Körperhinterende gut erkennt, deutlich mehr Erde hineinzugeben ist, welche man ein wenig andrücken und immer leicht feucht halten sollte. Die Behälter sollten nummeriert, gut verschließbar und zur besseren Belüftung des Inhaltes teilweise mit einer Gazefläche versehen sein, was man mit einigem Geschick leicht selbst anfertigen kann. In diesen Behältern pflegt man die Grillen eine Weile jede für sich. Die Versorgung der Tiere gestaltet sich denkbar einfach, als Allesfresser können die Grillen mit Obst, Salat, Pellets für Fische und Nager, Mehlwürmern und anderem ernährt werden. Zu beachten ist, dass die männlichen Tiere bei Wohlbefinden sehr laut zirpen, was manche Menschen als störend empfinden können. Unter den entsprechenden Haltungsbedingungen dürften die Weibchen nach etwa einer Woche paarungsbereit sein. Hierzu entnimmt man die Weibchen ihren Behältern und setzt sie jeweils einzeln zu den männlichen Tieren. Das Männchen wird sofort zu balzen beginnen, worauf das Weibchen auf seinen Rücken steigt und die Paarung eingeleitet wird. Ob die Begattung erfolgreich war, sieht man an der Spermatophore, einer kleinen, gelblichen Kugel, die das Männchen dem Weibchen unterhalb der Legeröhre angeheftet hat. Damit sich das Weibchen die Spermatophore nicht frühzeitig wieder abstreift, sollte es nach der Paarung noch einige Minuten bei dem Männchen belassen werden, ehe es wieder in seinen eigenen Behälter zurückgesetzt wird. Durch die Nummerierung der Behälter wird es einfacher, die Paarungen zu dokumentieren, und schließlich sollten im Idealfall alle Tiere wenigstens einmal miteinander verpaart worden sein. Die männlichen Tiere können nun an ihren künftigen Besiedlungsorten der Natur übergeben werden, während die Weibchen bereits mit der Eiablage in der Erde ihres Behälters begonnen haben dürften. Diese können etwa drei Wochen später ebenfalls ins Freiland entlassen werden. Die Erde in den Haltungsboxen ist nun voll von gelblichen, etwa drei Millimeter langen Eiern, und sobald die Jungen zu schlüpfen beginnen, die fast wie Miniaturausgaben ihrer Eltern aussehen, ist schnelles Handeln notwendig. Die Erde muss an den künftigen Bestimmungsorten ausgebracht werden. Hierzu wählt man eine sonnige Stelle und bedeckt das Ganze als Schutz vor Austrocknung locker mit einem Brett oder einer Plane. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass keine Ameisen vorhanden sind. Wenn die Umgebung die eingangs erwähnten Kriterien als Feldgrillenbiotop erfüllt, kann dies auch im eigenen Garten geschehen, im städtischen Bereich ist es allerdings nicht zielführend und sollte aus Gründen des Artenschutzes dringend unterbleiben. Nun ist Geduld gefragt, denn die jungen Grillen werden sich über das gesamte Gelände verteilen, wo sie heranwachsen und ein unauffälliges Leben führen, um schließlich halbwüchsig im Boden zu überwintern. Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühjahr werden die Junggrillen wieder aktiv, und wenn man dann an den entsprechenden Stellen die Eingänge der Wohnhöhlen entdeckt, hat man Gewissheit, dass die Ansiedlung der Art erfolgreich war. In guten Jahren sind die ersten Tiere bereits ab Mitte April ausgewachsen und können uns dann bis in den Sommer hinein mit ihrem Gesang erfreuen. Viel Erfolg!

Manchmal muss man gar nichts tun

So wie im letzten Sommer haben die Grillen bei uns noch nie gezirpt. Ein Nachbar sagte irgendwas von Weinhähnchen, die sich ausbreiten. Hab dann mal nachts im Garten mit der Taschenlampe zwischen die Tomatenstauden geleuchtet und brauchte ewig, den Musikus zu finden. Ich war echt baff, wie winzig die Viecher sind und ganz unscheinbar hell grüngelblich. Aber singen können die, alle Achtung! Klingt echt schön und stört irgendwie gar nicht.

Es ist wichtig, dass Insekten wieder angesiedelt werden. Diese Tiere sind wichtig fürs Gleichgewicht der Natur und sichern auch unser Überleben. Da der Mensch jahrzehntelang alles vernichtet hat ist er jetzt auch in der Pflicht bei der Ansiedlung von Insekten aktiv zu werden. Wer dabei gleich nach einem Schädlingsbekämpfer schreit ist schlecht informiert, weltfremd und hat den Ernst der Lage nicht erkannt. Wir haben unseren Garten auch dementsprechend bepflanzt, dass Insekten dort Nahrung und ein zu Hause finden und haben sogar ein Insektenhotel zu stehen. Was man tun kann um die Natur wieder ins Gleichgewicht zu bringen sollte man auch tun. Veränderung beginnt im Kleinen.

@Tinky-Winky

Spinnst du oder was? Grillen müssen NICHT bekämpft werden, weil sie einfach KEINE Schädlinge sind. Wo man noch welche zirpen hört, kann man sich glücklich schätzen, weil da die Natur noch einigermaßen intakt ist. Wenn sich jemand für den Schutz der Grillen einsetzen möchte, kann man das einfach nur begrüßen!

Wie krank ist das denn?

Immerhin würde dann der Schädlingsbekämpfer an dir ganz gut verdienen, vorausgesetzt du kommst auch für die Kosten auf.

Hallo Zirp,

Würde dir empfehlen dich mit deinem Anliegen mal an den "NABU" (Naturschutzbund) zu wenden. Die unterstützen dich bestimmt bei deinem Vorhaben und wissen Rat.

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