Paraparese - verschiedene Fragen :-)

Hallo liebe Community!

Ich bin eine (Tier)medizinstudentin und das Thema Nervensystem interessiert mich sehr. (Das ist übrigens bei Menschen und Tieren gleich, deswegen die Klammern um "Tier"). Außerdem finde ich die Stammzellenforschung hoch interessant, sodass ich immer wieder zwangsläufig auf das Thema QSL stoße und mich dahingehend interessiere.

Mir gehen schon seit einiger Zeit ein paar Fragen zu inkompletten QSLähmungen durch den Kopf, die ich so nie im Internet beantwortet finde.

1. Afferenzen und Efferenzen (Also Empfindungen und Motorik) laufen ja über unterschiedliche Wurzeln. Daher kann je nach Unfallhergang ja theoretisch jegliche Kombination aus Funktions(un)fähigkeit möglich sein, oder?
Und genau deswegen sind allgemeine Aussagen schwer zu treffen. Habe ich das richtig verstanden?

2. bzgl Regenerationsfähigkeiten. Habe ich das richtig verstanden, dass Verbesserungen sowohl dadurch mögich sind, dass bestimmte Neurone nur gequetscht und nicht gerissen waren und diese Quetschungen zurück gehen, als auch dadurch, das intakte Fasern die Funktionen von gerissenen Fasern (teilweise) übernehmen?

§. Damit zu mienm nächsten Punkt. Ich habe hier natürlich schon herum gestöbert, und dabei oft gelesen "Ich wurde x mal operiert und nach x Wochen konnte ich erstmals wieder den Zeh bewegen"
Mich interessiert jetzt, was bei den OP's gemacht wird, also wie solche Erfolge zu stande kommen?

Ich weiß, dass jeder Fall anders ist, aber mich interessieren auch die Einzelfälle: Wie lange hat es bei euch gedauert, bis ihr welche Erfolge hattet?

Mein Problem ist, dass ich auf ganz vielen Internetseiten immer nur Aussagen wie "auch operative Eingriffe können Verbesserungen herbei führen" oder "Physiotherapie kann den Betroffenen helfen teilweise Bewegungsfähigkeit zurück zu erlangen" oder "die Therapiemöglichkeiten sind vielfältig und werden an die Einzelfälle angepasst". Also so allgemeine Aussagen, die einem normalen Menschen Infos liefern, aber einem medizinisch interessiertem Menschen nicht ausreichen :-)

Vielleicht kann mir jemand genau erklären, was bei ihm gemacht wurde? Hier gibt es doch sicher auch ein paar, die sich das medizinisch haben erklären lassen und das vielleicht (evtl auch nur bruchstückhaft) widergeben könnten?

Oder vielleicht kennt ihr Seiten, die das medizinisch genauer Erklären? Oder Fallbeisüiele? Oder Genesungstagebücher? Oft haben Betroffene ihren Homepages ja als Webaddresse den eigenen Namen gegeben, sodass man sie unter den allgemeinen Schlagworten über die Google-Suche nicht findet.

Ich will nochmal betonen, dass ich mir bewusst bin, dass es keine allgemeinen Erklärungen gibt, weil sich jeder Fall unterscheidet. Aber ich will einfach wissen, wie es sein KANN.

Ich möchte außerdem allen Betroffenen, die sich zurück ins Leben kämpfen (oder betroffene Angehörige/Bekannte haben) meine Bewunderung aussprechen! Ich hoffe sehr, dass ich vielleicht irgendwann über die Stammzellforschung zu neuen Behandlungschancen etwas beitragen kann.

Ganz liebe Grüße,
Nooni

Antworten (1)

Hallo Nooni,

ich möchte Dir gerne antworten; allerdings sind Deine Fragen ganz schön heftig. Ich galube, dass es für viele noch nicht mal eine Antwort gibt, zumal auf dem Sektor Querschnittslähmung in nur bescheidenem Umfang geforscht wird.
Zu Deiner Frage "Quetschung" des RM und Regenerationsfähigkeit kann ich deshalb ein wenig sagen, weil ich selber davon betroffen bin.
Vor 6 Jahren: Epidurale Einblutung auf Höhe Th5/6 und Quetschung des RM mit nachfolgender Lähmung beider Beine und der Beckenmuskeln, dazu Brustmuskeln und Blase.
Operation nach ca. 6 Stunden und Ausräumung des raumfordernden Blutgerinnsel.
Nach ca. 8 Wochen Erholung des linken, nach 11 Wochen auch des rechten Beines. Erste Laufversuche nach 3 Monaten und heute volle Funktion des linken, etwa halbe Kraft des rechten Beines. Laufstrecken pro Tag ca. 2-3 km, keine Erholung der Blaseninkontinenz.
Ein Vergleich mit anderen QS-Patienten ist überhaupt nicht möglich. Die motorische Rehabnilitation ist komplett vom Ausmaß der RM-Läsion und der Läsionshöhe abhängig.
Die Bereitschaft, mit QS laufen zu wollen und entsprechend zu trainieren, ist auch wichtig, aber sekundär. Alle wollen - mehr oder weniger - laufen, laufen und nochmals laufen.
Es ist sehr frustrierend, einem Qs-ler zu erleben, der ein paar Schritte gehen kann, wenn man selbst ausschl. auf den Rollstuhl angewiesen ist und bleibt.
Nach meinem Wissen kann man derzeit so gut wie nichts am verletzten RM machen. Wenn Nervenzellen gequetscht werden wie bei mir und die Entlastung dauert mehr als ca. 8 Stunden, sterben diese Zellen ebenso ab wie glatt durchtrennte, gestauchte oder übermäßig gedehnte. Regeneration dieser Zellen ist derzeit nichts mehr als ein frommer Wunsch.
Ca. 20-30 % aller QS-Gelähmten sollen nach Aussage versch. QS-Zentren wieder "auf die Beine" kommen, insbesondere aber diejenigen, die unterhalb von Th12 betroffen sind, weil diese häufig mit dem hinreichend innervierten Oberschenkel plus Fußorthese laufen.

Soviel erstmal, viel Glück bei Deinen Recherchen,

Schika

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